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rzS Gresser XVoebenbldtt/ Nurn. XXV.

voll Gift davor austrinken mußte, ließ sich/ als ein gewisser Lntöbulus ein hübsche- Magdgen küßte / mit einer ihm gar nicht geziemenden Automat vernehmen/ derselbe sey viel verwegener gewesen / als wenn er in die Spitze blosser Degen oder ins Feuer gelausten wäre / weil er die Kühnheit gehabt/ ein schönes Gesicht zu küssen. Man sichet wohl/ daß Sscrates die Welt nicht gesehen hat / wäre er zu Paris und an dergleichen galanten Orten gewesen / so- sollte er anders geurtheilet haben. Xcns<- Phon gab ihm daher eine tüchtige Antwort : gewißlich / sagte er / mich deucht / daß ich mich eben derselben Gefahr aussetzen würde / als er. Wir wollen ihre fernere Un­terredung hierher setzen/ damit jedcrman sehe/ was ein jeder vor Gcknde hat. Soi erstes erwiederte/ ach du Unglücklicher bedenkst du nicht / was sich äussert/ nach­dem du ein schönes Gesicht geküsset hast; verlierst du nicht deine Freyheit» wirst du dicht ein Sklave; verbindest du dich nicht zum übermäßigen Aufwande / deine Wol­lust zu sättigen; findest du dich nicht in der Unvermögenheit Gutes zu thun; und füh­lest du dich nicht gezwungen / dich ganz und gar zur Erlangung solcher Dingen aufzu- legen / welche du verachten würdest / wenn deine Vernunft nicht verdorben wäre > O GOtt, sagte Xmophon/ dieses heißt einem Kusse Stärke beylegen. Und du wunderst dich darüber/ antwortete Socrates : siehst du nicht die Meine Spinnen / deren Biß so giftig ist / daß er nicht allein unsägliche Schmerzen verursachet / sondern auch so gar den Verlust des Verstandes nach sich ziehet. Ich weis es gar wohl/ sagte Xenophon; allein diese Thiere lassen beym beißen den Gift fahren. Und du denkest/ Uiwernunftiger! setzte Soctares dazu / daß die verliebten Küsse nicht vergiftet sind/ weil du das Gift nicht siehest ? Wisse / daß ein schönes Frauenzimmer ein viel gefähr­licher Thier / als die Sco. Pionen/ ist/ weil uns diese nicht eher verletzen können / als bis wir sie anrühren; allein die Schönheit rühret uns / ohne daß wir uns derselben nähern: man mag sie von einer Seite her ansehen von welcher man will/ so vergiftet sie uns/ und verrücket unfern Verstand. Ich rathe dir also/ Lenophon wenn du irgend eine Schönheit entdeckest / zu fliehen ohne hinter dich zu sehen: und was dich anbelangt/ Kritobulus! so deucht mich / daß es dienlich vor dich seyn würde/ wenn du dich ein ganzes Jahr entferntest ' Denn diese Zeit wird zur Heilung deiner Wunde nicht zu lange seyn. Hier hat das albere Gespräch cm Ende/ welches jederman selbst zu beurtheiien im Stande seyn wird. Wir sind gezwungen etliche / wiewohl an sich überfiüßige/ Anmerkungen blos zu dem Ende zu inachen/ damit man überzeuget wer­de / daß wir es mit dem artigen Lenophon unö nicht mit dem nrurrischen Sociales halten. Was soll das heissen / durch einen Kuß die Freyheit verliehren und ein Sclav werden? Wahrhaftig wer ein schönes Weibsbild küßt / der nimmt sich ja eine Frey­heit und bahnt sich den Weg zu mehreren Freyheiten/ wie kann man denn sagen/ daß er die Freyheit verliehre. Gesetzt es gienge auch auf einer andern Seite etwas von derselben drauf/ so begiebt man sich ja dessen gutwillig/ und ist also daraus kein grosses Werk zu machen. Das übrige was Socrateö gleich darauf setzt/ zeigt an/ daß er ein GeitzhqlS/ ein Pietist und ein bequemer Weichling gewesen/ Per qlle zum Ver­

gnügen