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Dienstag den;een 3tut. i7fo. r-s

Eine freue und herzliche reine Liebe ist so nahe mit her auftichtigen Hochach^ tung verwandt/ daß die B-lligkeit erfordert jene und diese mit einerlei Merkmal zu er­kennen zu geben. D-e Liebe ist eine Vereinigung der Seelen / was ist vernünftiger/ als daß man sie durch die Vereinigung der Lester anzeiaek?

W>e aber die Bosheit überhaupt auf keine Weise zu entschuldigen / so ist si- besto scheußlicher / wenn sie ihren Gift mit der Farbe der Freundschaft zu überkleistern sich bemühet. Man muß demnach die Unmenschen mit Entsetzen ansehen / die ihren innerlichen Groll und die öfters blos aus Furcht der Straffe zurück gehaltene Mord­begierde mit dem falschen Judaskuß zu versiellen pflegen. Ioab stoßt zwar heui zu Tage nicht gleich mit dem Dolche zu / allein fein Mund ist noch auf Erden, und sein -Herz ist deswegen nicht besser. Sollten wir auch alle Küsse theils aus Ernst / theils heuchelnd loben / so lasset doch unsre Natur nicht zu / diese verfluchte Art derselben auch nur zum Spotte zu verthaidigen.

Bis daher wird niemand wegen unsrer Philosophie über die Küsse sich zu be­schweren Ursache haben. Es sind aber noch andre von den vorigen unterschiedene übrig / die eine andre und zweyerley Geschlechter erfordernde Gattung der Liebe zum Grunde haben. Wir hatten im Sinne sie geile Küsse zu nennen. Weil wir aber befürchteten/ diejenige / die zu sehr an den Worten zu kleben gewöhnet sind/ möchten daraus den Verdacht schöpfen / als wollten wir durch einen unangenehm klingenden Namen alsbald im Anfänge einen Widerwillen gegen sie erwecken / und unö den Zahnen der Splitterrichter überantworten; so haben wir es aus Behutsamkeit unterlas­sen/und heissen sie hiemit verliebte Küsse- Von denen sind die Meinungen der Gelehrten unterschieden- Die sich am besten darauf verstehen / und denen man folglich / als Mei­stern in der Kunst/ am meisten glauben muß/ halten sie vor ganz gut und löblich. Die­ses ansehnliche Vorurtheil ist die Ursache/ derenthalben wir uns entschliessen/ zu dieser Parthie über zu tretten. Wir sehen zwar wohl zum voraus/ daß es mistrauische Leu­te geben wird/ die sich nicht scheuen werden / vielleicht so gar öffentlich zu sagen / eS sey nicht unser Ernst / und wir wollten unS entweder auf Kosten der Verliebten lusti- machen/ oder/ welche Auslegung unS zur Noch noch lieber wäre / wir sähen eine sol­che Verstellung alS ein Mittel an / die Gernküsser und Gernküsserinnen auf andre Ge­danken zu bringen. Allein solche Urkhcile andrer müssen wir uns zwar gefallen lassen/ weil ihre Gedanken nicht weniger als unsre zollfrei) sind; wenn man aber auf das fol­gende acht haben will/ so wird man sehen/ wer recht hat. Und damit jederman so wohl von der Güte der verliebten Küssen/alS von unsrer ungeheuchelten Gesinnung desto geiviffer überzeugt werde / so wollen wir neben dem Vortrag unsrer Gründen / die Feinde der Küssen nicht nur geziemend widerlegen / sondern auch heftig herunter machen.

Ein gewisser alter Grillenfänger/ Namens Gocrates / der ein paar bös» Weiber hatte/ die in ihrer Jugend Huren waren / ein Mann der vor der ganzen Welt/ selbst vor feinen Richtern keinen Respekt hatte/ aber auch endlich einen feinen Becher

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