Dienstag den 12tert Decembr. i7f«. 407
der Kraft vor GOtt zu wandeln/ welche sein heiliger Geist erhalt/ stärket und ver. mehret. Adders war uns nicht zu helfen/ aber fo ist uns gar herrlich geholfen wor. beu. Eöerchild G Ottes wird aus diese Weise in den Gläubigen nicht nur her- gestellet und der Schade völlig abgethan; sondern der grosse Heiland ersetzet alles auf eine so überschwengliche Art/ daß er nun selber mit seinem ganzen Verdienst unser eigen seyn will und wir m fein Bild verkläret/ ja feiner göttlichen Natur theilhaftig werden sollen. Nun ist in denen / die Christo angehören/ nicht nur GOttes Eben- bild/ sondern Christus selbst/ und sie in ihm/ und GOtt stehet sie an / als geistliche Glieder seines lieben SohnS/ deren Natur er in Christo auf seinen Thron gesetzet/ und seiner unendlichen herrlichen Majestät theilhaftig gemacht hat.
Hat die Sünde selbst eine unaufhörliche Erstreckung und gehet solchergestalt unendlich fort in der Uebertrettung des göttlichen Gesetzes ; so hat hingegen auch das Verdienst des Erlösers einen unendlichen Werth zur Vefriedigung der Gerechtigkeit GOtteS/ und bey denen/ die dasselbige annehmen / eine unendliche Kraft die Sünde zu hemmen und ihrem wirklichen Ausbruch Grenzen zu setzen. Dazu kommt Denn daß GOtt die Genugthuung des Mittlers aus Gnaden annimml/ sie dem Sünder jmechnet / seine Missethaten bedecket / und sich erkläret/ daß um dessen willen ihrer in Ewigkeit nicht solle gedacht werden. Wo also die Sünden begraben werden / ihre Macht zerbrochen i|t/ und der Mensch in der Kraft seines Erlösers sie immer mehr tödtet/ daß sie zu keinem Ausbruch mehr kommen können / Da muß notbwendig ihre unendliche Verschuldung aufhören/ und sie können nicht ewiglich verdammen. DaS heisset sodann: wo Die Sünde mächtig ist/ da ist die Gnade noch viel mächtiger. Und ebendarum/ weil es die Reinigung unsterblicher Seelen/ die Wiederbringung abgcfaliener Geister betraf, müsse es ein Erlöser seyn/der GOtt selber ist.
Das A.'rgermsi Der Ucbertreltungen/ wodurch immer andere in Die unselige Gemeinschaft gezogen werden/ gehet beständig fort. Es müssen aber hier allezeit zwo Personen betrachtet werden. Die eine/ welche Aergerniß giebt/ und die ande- re / welche geärgert wird. Jene stecket in grosser Schuld: diese aber ist auch nicht ganz frey. Denn hat sie Den Gebrauch ihrer Vernunft/ so kann sie sich davor hüten/und das vollkommenste Mittel im Glauben und Wandel/ JEsum Christum/ zu Hülfe nehmen: ist sie aber noch unmündig/ so kann sie bey Heranwachsenden Jahren und durch Den rechrmäsigen Gebrauch Der von GOtt verordneten Gnadenmitteln aus der Schuld herauskömmen und von ihrem genommenen Aergerniß frey werden. Sol- chenmach stehet Der unendliche Werth des Verdienstes unseres Heilandes dem unendlichen Aergerniß aller Sünden dergestalt entgegen / daß diejenigen/ welche sie begangen haben / davon frey werden / und ihre Seelen erretten/ folglich an Dem Verberben der Geärgerten keine Schuld mehr haben; diese aber/ wenn sie wollen/ gleich- fals erlöset werden Finnen / wenn sie aber nicht wollen / alsdenn ihre eigene Schuld tragen/ uni» um ihres Unglaubens willen verdammet werden.
Mik


