4S2, GresserWochen-Blaer/ Num. Li.
Betrachtung soll aber etwas weiter gehen / als auf die Nothwendigkeit der Sendung und wirklichen -Offenbarung eines Seligmachers: sie soll zugleich auf die ->olhwendiae Beschaffenheit seiner Person/ und den eben so nothwendlgen Eifolg der Ausrichtung seines Mittlerainteö gerichtet werden. Wir erfüllen damit ein ehedem gelhaneS Ver- sprechen.
Die Nothwendigkeit eines Erlöses erkennen wir einmal aus den Eigen- schäften GOttes und aus seiner Absicht/ welche er bey der Schöpfung des mensihli» chen Geschlechts gehabt hat. Diese Absicht war die ewige Verherrlichung seines gön- lichen Namens durchDie Glückseligkeit der Menschen/ welchen er feine Liebe und dir grössesten Wohllbaten seiner Liebe nuttheilen wollte. Nun verliessen zwar die Men- scheu seine Gemeinschaft / und sielen durch die Sünde in einen solchen elenden Zustand/ darin kein Theilder Absicht GOttcs/ weder seine Verherrlichung durch Lob/ mit) Preis/ und Dank/ noch ihre Seligkeit erhalten werden konnte. Inzwischen blieb seine Absicht unverändert/ welches wir daraus erkennen/ weil sie ein ganzes Geschlecht seiner Geschöpfen/ nämlich alle Menschen/ alle vernünftige Einwohner des Erdbodens/ betrifft; weil er ferner die Menschen leben und sie fortpflanzen läßt/ welches gcw.ß nickt darum gefchiehet/ damit er sie alle in dem nunmehro natürlichen Verderben ewig verdammen könnte; weil übe»dem die Menschen nicht durch eigenen Trieb/ sondern durch Betrug und Verführung des Sacans gefallen: mithin noch ein gerechtes und zureichendes Mittel aussindig zu machen war/ sie wieder mit GOtt zu vereinigen und selig zu machen. Das konnte nicht anders als durch eine Erlchung geschehen- folglich ist sie um der Absicht und Eigenschaften GOttes willen für nothwendig anzusehen. Solches erkennen wir
Zum andern aus der Beschaffenheit der Menschen selber. Alle Menschen finden / wenn sie sich nur aufrichtig betrachten wollen/ ein tiefes Verderben / eine Uns tüchtigkeit zu allem Guten/ hingegen eine Neigung und Fertigkeit zu allem Bös.n/ in ihnen/ und das zwar deswegen / weil sic keines/ weder das Gute noch das Böse recht erkennen / .ja wenn sie es gleich erkennen/ dennoch von der sinnlichen Lust auch so gar wider das Urtheil des Verstandes vom Guten zurück gehalten unh zum Bösen hingerissen werden. Hieraus können sie leicht den Schluß machen/ daß sie in solchem Zustande GOtt sowenig gefallen und selig werden könnnen/ als gewiß sie eikennen/ daß sie nicht durch seine/ sondern ihre Schuld in selbigen gerathen schn müssen. Gehen sie weiter/ so werden sie bald gewahr/ daß sie ihnen selber aus diesem Elende nicht helfen können; weil sie weder der beleidigten Gerechtigkeit GOtts vollkommene Genug- rhuung zu leisten / noch ihre Seelen von den eingewurzelten Flecken zu reinigen/ noch auch den Willen GOtts vollkommen zg erfüllen vermögen. Sie wollen und sollen aber doch selig werden/ und GOtt in Ewigkeit loben: darum schliessen sie auf die Nothwendigkeit ihrer Erlösung / als wodurch eben jenes bewirket wird.
Hieran haben wir genug die Nothwendigkeit des Erlösers der Menschen zu erkennen. Henn der Gerechtigkeit GOttes genug zu thun/ seinen Zorn erdulden / sei-
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