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tt Gresser YVtcbtn#» Blatt/ Num. XXIX.

«Md erinnere mich nicht/ daß Barmherzigkeit besser ist/ als Opfer; ja ich lege es übel Auf / wenn ein andrer des guten Samarners Huz an Tag 'eget; so ist die liebe Bot­tes nicht in mir. Genug hiervon/ denn alles laßt sich auf keinen Bogen schreiben. Kurz / wer sich überredet ein Wiedergebohrner ju seyn / und findet nicht / daß di« Selbstverleugnung / die nöthige Selbstverleugnung/ kicffe Mw zeln bev ihm geschlagen hat/ der betrüget sich selbst / und unser Wunsch wäre / daß er ernsthaft überlegte/ was das heißt: irret euch nicht/ GO LT läßt sich nicht spotten.

Eine ganz ausserordentliche Art des Verminst« oder vielmehr Unvernunft« Mufft- müssen wir anführen/ welche der Cisahrunq gemäß vi le unbedachtsame zu Verfuhren vermag. Wenn man vielen unzeitigen Wiedergeburten ihre Fehler vorhälk/ Und sie erinnert/ in sich zu geben / so geben sie die Antwort / womit sie sich selbst zu be« sänftigen meinen : was ein Wiedergebohrner thut/ das ist nicht böse ari ihm/ wiewohl rS an einem andern böse seyn kann; Ich aber bin ein Wi.dergebohrner; also ist das/ IvaS du mir vorhälst/ nicht böse. Sollte man nicht viel lieber also schliessen: Wer die und die Handlungen an sich hat / der ist hin Wiedcrgebohrner r ich aber habe die Gewohnheit / das und das zu thun/ also bin ich kein Wiedergebohrner. Die natür­liche Vernunft billiget das letzte: die übermäßige Eigenliebe aber verblendet den Ver­stand des Heuchlers/ daß er daS erste vorziehetr und wer weis / warum man die Ver­nunft schimpfet / deren Amt es ist ju untersuchen / ob man recht oder unrecht fliesset.

Der Selbstbetrug in Ansehung der Pflichten gegen andre bestehet darin/ daß Man andern thut / was man hätte unterlassen sollen / und nicht rhut/ was man ihnen schuldig war/ und dabei)/ ohnerachtet man es besser weis / sich doch überredet man ha, be recht. Wie öfters das geschieht / wissn diejenigen am besten / die daS Amr eine- Nichters zu verwalten haben. Der beleydigende The«! will den Schlußsatz absolut be- fcaupten und in seinen G- danken ist eS die erste Wahrheit / die unumstößlich bestehen soll : ich habe recht. Wenn man nachforscht, warum; so femmts darauf hinaus: weil ich- bin. - DaS darf man aber nicht sagen/ und gegen sich selbst ist man auch Vicht so offenherzig/ daß man seinem eignen Gewissen bekennte / man habe keinen an­dern Grund/ als diesen. Denn eS ist nicht die Red« von denen/ die den Richter/son­dern von denen/ die sich selbst betrügen. Also bemühet man sich/ weil man in sich sel­ber fühlt/ daß man mit der lautern Wahrheit nicht durchkommt/ umSchemaründe/ und zwar um solche/ wodurch man auch sein eigen Gemüth besänftiget. Da müßen sich mm Umstände in die Thor hineniselieben lassen/ die ihr ein ander- Ansehen geben/ und der Wunsch/ daß es wirklich so seyn möchte / daß wir z.E- aus der Absicht möchten gehandelt haben / macht / daß man sich den Gefallen erzeigt und glaubt / cS scy so. Wenn das nicht angcbt / so drehet man das Recht / damit man dadurch erweise/man hübt nicht gefehlt. Wird rimm die Ungertchngkeil vorgehalttn/ oder ist sie so unbän.

Lig/