124 Gresser W-Hm-Büm/ Num. XVI.
tig und ihre Weisheit auf die jünger« forzupfianzen bemühet ist / wodurch die Erfti- bung/ so bald sie einmal den Drittel» Mund paßiret und ein Dutzend Anhänger gefunden/ zu der vollständigen Kraft eines Aberglaubens gedeihet. Sollte man/ wenn man den rechten Canal weis/ »richt bald auf solche Weise die halbe Stadt Klauber» machen können / es sey ein dienliches Mittel vor die Leute die nicht schlafen können/ wenn man am 2.7. Zunius als am Siebenschläferötag einer Ratze/ die nach der gemeinen Erzählung den ganzen Winter über schläft/ mit dem Pudermessergen/ das man an seinem eignen Haupte zu brauchen pfleget/ den Kopf/ worin der Schlaf steckt/ abschneidet/ ihn in ein Stück seiner wohlverschweiß- len Schlafhaube nahet/ und an den linken ober« Stollen der Bettlade mit einem schwarzen seidenen Faden auf seinen eignen Geburlhstag anhängt; Wir wenigstens meinen / wann wir unsre saubre Erfindung nicht drucken lasten / sondern am rechten Orte mit der gehörigen Mine entdecket hätten / so wollten wir es so weit oder weiter damit gebracht haben als der/ der die Leute überredet/ daß die mit dem Munde abge- bistene und den Kinder»» angehängte Mäuseköpfe gut vors Zahnen sind.
Die Authorität des Aberglaubens beruhet hauptsächlich auf seinem eigenen Alter / und dem grauer» Haare derer/ die ihn mit einer hochweisen Gesichtsstellung erzählen oder ihm Beysall geben; hat ihn aber das Glück ein paar mal durch den Erfolg unterstützet/ so hat er das Recht erhalten/ daß man Den vor einen Atheistenaus- schreyet/ der nicht an ihn glaubet- Zu seinem grösten Vortheil dienet ihm Die natürliche und bcy wenigen durch gründliche Wissenschaft vertriebene Leichtgläubigkeit / welche sich zu einem heftigen und begierigen Wunsch nach dem/ was durch Die Abergläubische Mittel erhalten werden soll / gesellet. Denn wann z. E. em junges Frauenzimmer / das im Begriff stehet Die Kinderschuh zu zerreissen/ ein ungrsiümmeS Verlangen fühlet zu wissen/ in was für eines.Schatzes Armen sie bald zu liegen kommen wird; so wird sie von ihrem Feuer gezwungen ohne Widerrede ihres ohnehin meisten- theils schweigenden Verstandes alles zu glauben/ was ihr als ein Weg zur Erfüllung ihres Wunsches vorgeschlagen wird. Kommt denn eine alte Taglöhnerin/ die wegen ihrer Künste bey ihr in grossem Ansehen stehet / und giebt Den Anschlag Mit wohlausgesuchten Betheurungen/ daß es viel hundertmal richtig eingeu offen/ man müsse in Der Andreas Nacht um zwölf Uhr geschmoltzen Bley in eine Schüssel voll Wasser giessen / und aus Den Gestalten der Körner die Verrichtungen des zukünftigen Bräutigams erkennen; so ivird der Rath mit beyden Annen ergriffen/ daS Bley muß herbey und Die gute Nacht muß sich mit der Ausführung Der einfältigsten Ceremonie beschimpfen lassen.
ES ist schwer / alte und tief eingewurzelte Vorurtheile dem Menschen aus Dem Kopfe zu treiben; daher versprechen wir uns nicht/ daß dieses Blatt alle Aberglauben aus unsrer Gegend verjagen wird. Damit wir aber doch so viel thun / als wir können; so wollen wir zuvorderst den Nachtheil/ Den sie bringen / kürzlich beruh. Wi Vdniit t>re HMtdtt desto williger gemacht werden/ dieselbe fahren zu lassen.
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