Ausgabe 
19.5.1750
 
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Dienskäg den ipten ITT^yi7fo»

bewust ist/ oder die man selten zu nennen und zu erklären im Stande ist. Weil also dieser Ursprung uns meisienrheils sehr verdeckt ist ; das -Vergnügen und der Verdruß selbst aber jederzeit itter klich gcspührer werden / so kommt es daher / daß man aus die« sen als den Würkungen jene als die Ursachen zu beurlheilen sich angewöhnet hat. Nicht allein die Erfahrung aber/ sondern auch die kaum gegebene Erklärung zeiget/ daß eS nicht sowohl ein Wunder ist / wenn man durch dieses Zeichen des Guten und Bösen in Irr- thum verleitet wird / als vielmehr wenn man dadurch nicht verführet wird- Denn die Lust entstehet nicht aus einer mit vielem Nachsinnen entdeckten/ deutlich erkannten und wohl überlegten/ sondern aus einer schnell gleichsam von weitem erblickten und mit Die* (er Finsterniß umgebenen Güte. Gleiche Bewandtniß hat es mit der entgegen g-.sctz, ten Unlust. Wie nun nichts leichter geschiehst/ als daß man sich versiehst/ wenn man nur einen schnellen und alSdald wiederum zurücke gezogenen Blick auf etwas wirft/ wenn man entfernte Dinge betrachtet und dieselbe nicht mit genuasamem Lichte umgeben sind; so ist auch sehr natürlich/ daß öfters ein Vergnügen an Sachen gespühretwird/ die des Abscheus würdig sind / und dagegen Unlust an angenehmen und vortreflichen Dingen gefühlet wird. Weil also die Sinnen jene vor gut/ diese vor böse halten; so ist der Wille gegen jene geneigt/ und ziehet sich von diesen zurücke. Der auf diesem Grunde beruhende und dem Jrrthum sehr unterworfene Wille wird deswegen / weil rr von den Sinnen erwecket wird/ die sinnliche Begierde und der sinnliche Abscheu genennet. Die Heil. Schrift beleget ihn in den Fällen / da er wirklich fehlet/mit dem Namen des Fleisches.

Der vernünftige Wille hingegen ist ganz andrer Art / und gründet sich auf die zweyte Weise das Gute von dem Bösen zu urlterscheiden / die den Verstand und dis Vernunft zum Führer hat. Weil nämlich das gut ist / was unsere Glückseligkeit befördert/ und böse / was uns in Ungelück und in das Verderben stürzet; so rechnet die Vernunft etwas zu diesem oder jenem/ wenn sie nach genau und ganz deutlich ver- siandener Beschaffenheit desselben und wohlgefaßtem Begriffe von dem wahren Wohl des Menschen richtig und klar einsiehet / wie die Vergrösserung oder Verminderung des lezteren vom ersteren abhänget; und darnach richtet sich der vernünftige Wille/ wenn er etwas verlanget/ oder verabscheuet. Wenn wir z. E sehen / daß schönes Wek- ter und gesunde Luft draussen/ folglich gute Gelegenheit zu einem Spatziergang vorhan­den ist / und dabet) bedenken / daß unsre lang angestrengte Leibes- und Gemüthskräf- te eine Erquickung bedürfen/ die man ihnen jetzo wiederfahren lassen kann/ weil man von keinen nöthigen Geschäften abgehalten wird ; daß ferner bei) einem vorzunehmen­den Spatziei gang wir einen Freund zu sprechen bekommen/ von dem wir eine zu AuK sührung unsrer Absicht unentbehrliche Nachricht erhallen können; daß wir von jemand dazu sind eingeladcn worden / der sich eine abschlägige Antwort möchte verdriessen und uns zu schaden antreiben lassen; und halten deswegen dis zur Ueberlsgung gezogene Be­wegung vor gut: so will sie der vernünftige Wille. Dieser ist also vor aller Uebereilung/ vor allem Fehler ftey und sicher. Denn so bald ein Irrthüm unterlauft; so kommt er ' - U r nicht