Einzelbild herunterladen

r6L Gresser Wochctt-Blatd/ Num.^xxiiL

ben*> und wr's willst du dich auf» eiben / armer Mensch / daß du ihm aus feinen Hän­den kommest ? Du fliehest aus dem Gefängniß und retirirst dich unter dsu Galgen. Wenn Du toi) bist/ bist Du Denn nun außer seiner Gewalt/ und wird er dich nicht des­wegen ärger züchtigen / weil Du dich fernen Züchtigungen mit solcher Hartnäckigkeit entgegen setzest? Ist aber solches liebel ein Unglück ; so kann man nicht ärger wider Die göttliche Vorsicht murren / und wider dessen Regiment revoltieren / als wenn man Die Ungeduld bis zur äussersten Verzweiflung steigert lässet; und dazu hilft man sich sehr schlecht. Aus Der Welt / da cm durch die Einbildung hauptsächlich vergrös- ferter Jammer etliche Tage oder Jahre währet / stürzet man sich in Die Hölle/ Da eine unbeschreibliche Pein in Ewigkeit Dauret. Auf Die Barmherzigkeit Gottes pochet man mit Unrecht- Denn 650rt ist wider Die/ Die Die Feindseligkeit gegen ihn durch die unmenschlichste That ganz abscheulich an den Tag zu legen sich nicht scheuen. Warum bringt Der sonst löbliche Begriff dem Menschen nicht lieber diese Gedanken bet): GOtt wird mein Unglück und meine Strafe wenden / wenn ich ihn demuthig Darum bitte.

Sollte man aber nicht befugt feyn/ sich selbst zu töden/ wenn man sichet/ daß eine sehr schmerzliche Krankheit unfern Tod doch nach sich ziehen muß / und wi» unsre Marker schleunig durch Den Mord endigen können ? Nichts weniger als das. Denn woher weis man Denn gewis/ daß Die Pein den Tod sachte nach sich ziehen und bis ans Ende Dauren wird ? Kann Denn GOtt nicht helfen / und Die Gesundheit und Leben wieder schenken. Zu Dem so will GOtt / daß man dieses alles leide in Geduld/ und hat seine heilige Ursachen / warum er einen stäupet / ehe er ihn aufnimmt / daß man/ ohne sich seiner Ordnung zu widersetzen / sich keine Ungeduld ankommen las­sen Darf.

Der Wurm des Gewissens Der ohne Ablaß naget / Die Reue wegen began­gener Sünde find sehr mächtig den Menschen zur Vernichtung seiner selbst anzutrei- ben. Allein man befriediget sich sehr übel / man will sich von den Bissen des Ge­wissens durch Sünde befreiten ; man will ein Loch zumachen und reisset es grösser. Die Christliche Religion zeiget ein ganz andres Mittel; sie reichet uns eine Arzeney von unendlicher Kraft und Würksamkeit / Die Den Wurm tödet / Die eine Versöhnung mit GOTT herstellt / und alle Mängel unsres Geistes herrlich heilet. Zu Der nehme man feine Zuflucht / wenn man ängstlich unD beladen ist / denn sie erquicket.

Man hat angemerkt/ daß auch Die schändlichste Laster gewisser heiligen Ent­schuldigungen fähig silid; sollte man nicht auch wohl zu der verworfeiisten That durch eine brünstige Begierde / bey GOTT zu seyn / angetrieben werden / oder wenigstens solchen Trieb vorgeben können. Es mangelt nicht an Bevspielen. Aber was nimmt man für einen Weg / zu GOtt zu kommen ? Führt Denn ein Pfad in Die Hölle und in Den Himmel ? Es ist unmöglich / an Den Ort Der ewigen Ruhe durch Die äusser­ste Uebertrettung Der göttlichen Gebotten und durch ck>ie scheußlichste Schandthat zu flelgngen.

Zum