Gresser Wochenblatt/ ttum. XXXIII.
wenn müs gefällt; Fann ich mich seinem Verhäugniß über Mich entziehen/ so bald mirs beliebt/ und zu ihm sagen: die Art und Weise/ wie du mit mir umgehest/ stehet mir nicht an ? Zudem so hat der Schöpfer einen in die Welt geschickt/ daß er dem andern diene. Ein Mensch ist / oder (leyder-/ daß nun diese Redensart verändern muß) soll des andern Gehulfe seyn / ihm bevstehen/ zu seiner Ernährung / Unterrichtung u. s. w. ihm behü'flich seyn. ©Ott der HLrr bestehlet mir / daß ich meinem Bruder unter die Armen greiffe. Da>f ich mich also von chm entfernen / wenn ich keine Lust mehr habe bey ihm zu seyn; darf ich entweichen und meinen Bruder allein lassm/ zu dessen Wartung ich bestimmet war; darf ich glauben/ daß mich der nicht zu Rede setzen und strafen wird/ der mich geheissen hat / bey jenem zu seyn/ bis er mich selbst abrufet? Man darf nicht sagen: der Nebenmensch ilt deswegen nicht verlassen / es giebt noch Leute genug / die um ihn sind/ ich muß nicht gerade da seyn. Denn deine Kinder / Dein Weib/ dein Vater / dein Landoherr u. s. w. weiden dir sagen / es fei) ihnen an dir gelegen / und sie fühlen deine Abwesenheit. Ueberdieses gilt die Antwort auch darum nichts/ weil/ wenn du hattest können oder sollen hinweg sinn/ so würde dich ©Ott nicht haben hierher gesetzt / und wer ist Richter darüber/ ob du da seyn must oder nicht; bist du derselbe/ oder ist es ©Ott ? Es ist also ganz klar/ daß Der Selbstmörder nicht nur die Pflichten gegen sich / die er vor gering und vor solche halt / die er ,ich erlassen könne; sondern alle Pflichten gegen ©Ott und andre/ wie sie Namen haben mögen./ mit eins zu Boden tritt.
Gäbe doch der Mensch acht auf die weise Anordnung Gottes/ so würde er sehen/ wie er ihm mit dem Finger auf das deutet/ was er tbun und was er lassen soll. Warum hat ©Ott es so eingerichtet / daß diejenige Handlungen/ die zur Erhaltung der Menschen nöthig sind/ mit einem allgemeinen Vergnügen und die schädliche mit einem aUgemeinen Miövergnügen begleitet werden. Warum hat er gemacht daß der Hunger schmerzlich ist/ daß dagegen die Speisen und das Getränk wohl schmecken/ und daß dem Menschen wohl ist/ wenn er gesunde Speisen in gebührendem Maase genossen daß ihm wiederum übel ist/ wenn er sich damit überladen? ©Ott winket damit und treibet den Menschen an/ daß er durch gu/e und mäßige Nahrung feinen Hunger stille. Und desgleichen findet man durchaus / oder wenigstens bey den meisten Arten dec Handlungen. Daher stehet man auch/ warum ©Ott einen Abscheu vor dem Tode in Die menschliche Natur geleget / und wozu man sich Denfeibcn antreiben lassen soll. ©Ott hat den Tod fürchterlich gemacht/ Damit Niemand sich die Lust ankommen lasse/ sich selbst denselben anzulhun; und weil er/ wie ein alter Weiser sagte, unter allen entsetzlichen Dingen das entsetzlichste ist ; so soll man lieber alles/ was man verabscheuet/ über sich ergehen lasse« / als zu dem verdammten Entschluß / sich selbst zu ermorden/ schreiten.
Es wäre unnöthig / wenn wir uns bey dem Beweise eines bereits genugsam bestärkten Satzes länger auchalten wollten. Sonst liesse sich auch folgendes unter Wehr«/ pqö wir stillschweMd pochtpgm / gnMen» Wenn man nicht eine sol-


