xy$ Giesser Wochen-Blatt/ hlum. xxxlll.
aber / sehe sich wohl für / daß er nicht falle / denn man ist nicht so sicher / als matt sich wohl einbildet. Zu was ist der Mensch mehr geneigt / als zur Sünde- unv braucht man etwas mehr/ als darzuthun / daß etwas eine Sünd- ist/ um zu beweisen/ daß du darein verfallen kannst ? Ist man jetzo ftey von der Versuchung/ o so danke man der Güte Gottes / die sie bisher abgewendet / und bitte / daß sie uns nie darein kommen / oder sie wenigstens so ein Ende gewinnen lassen möge / daß wir sie können ertragen; verlasse sich aber nicht auf sich selbst. Zu dem so ist der Selbstmord dicht jederzeit so grob. Nein es zickt andere Arten/ die nicht so sichtbar find. Man muß sich nicht gerade an einem Strick aufhängen / man muß sich nicht gerade erschiessen / erstechen / ersäuffen/ u. d- g. Sondern man ermordet sich auch selbst/ wenn man $. E. durch Unmäßigkeit/ Fressen / Saustet, u- f. w. sich um die Gesundheit und zuletzt ums Leben bringet; wenn man dienliche aber unangenehme Mittel zu seiner Erhaltung oder Wiedergenesung mit Gewalt nicht brauchen will; wenn man sich unno- thiger Gefahr aus Muthwillen oder Ruhmsucht aussetzt; wenn man sein Leib und Leben im Zwcykampfe auf die Spitze setzt und in andern vielen dergleichen Fällen. Wenn wir durch dergleichen in den Tod hinein rennen / was sind wir anders / alo Selbstmörder ? Man sage nicht/ daß man in solchen Umständen eigentlich nicht im Sinne habe sich zu töden. Denn erstlich ist diese Ausflucht mehrcntheils falsch / und die Exempel zeigen klärlich/ daß sich viele mit Fleiß tod saufen/ daß viele mit Fleiß Händel suchen/ damit sie nur endlich an jemand kommen / der sie über den Hausten stosse u- s. w. ZweytcnS aber dient man sich sehr schlecht mit solcher Antwort. Denn wer sich in eine solche Gefahr begiebl mit Wissen und Willen/ die ihn nothwendig hinrichten muß / oder aus welcher er nicht anders/ als durch ein sonderbares Glück errettet werden kann/ und weis auch wohl/ daß die Gefahr so beschaffen ist , der mag nun seinen Untergang ausdrücklich wollen und zur Absicht haben oder nicht / so ist er nichts desto weniger sein eigener Hencker. Wer Bist trinkt und weis / daß es tödlicher Gift ist / der bringet sich selbst um/ er mag ihn nun trinken des TodS halben oder warum er sonst immer will.
Da nun der Selbstmord/ besonders von dem allwissenden GOTT/ in der Welt viel häussigcr augetroffcn wird / als man wohl meinen sollte / so ist es desto nö- thigcr zu zeigen i wie sehr derselbe den göttlichen und natürlichen Gesetzen zuwider ist. Eben dieses aber ist so leicht zu begreifen/ daß man sich wundern muß / daß eö Menschen giebt/ die sich das Gegentheil im Ernst überreden können. Ewjeder Mensch ist verbunden sich selbst zu erhalten / und sich so glücklich zu macken als er immer kann. Wer sich aber selbst tödet / kann der dem Gebotte seinen Gehorsam aus eine nachdrücklichere Weise aufkündigett. kann er sich um mehr bringen / als um sein Leben/ kann er sich in ein grösseres Unglück als in die Klauen des Tods und in den Rachen der Hölle stürzen ? In der That ein solcher Unmensch ist nicht anders anzusehcn/ als einer der an einem zarten Faden über dem ewig brennenden Pfuhl von Pech und Sckwefel anfqchangen schwebrl / detn die Zeit zu lange währt / bis der Faden von sich selbst zer- hricht / und der also ihn aus Ungedult gbschneidet.um sich selbst desto eher in sein äusserste-


