Dienstag den ^ten Nsvembr. 1750. >6$
noch etwas zum nöthigen Unterhalt hinterlassen machte/ uub wie würde es alsdenn den Urenkeln gehen ? Eine Welt ist ihm nicht genug. Um GOtt und Christi Willen etwas weg zu geben/ das ist ihn unmöglich. Sein Geld ist ihm lieber als GOtt. So steiget er mit seiner Neigung über GOtt hinaus. Giebt er ja etwas hin/ so hält er GL)lt gleich an sein Wo>t/ rind strecket die andere Hand geschwinde aus/ die Vergeltung hundertfal.ig ivieder zu nehmen. Bleibet solche ans / oder trauet er nicht/ ja da sind alle arme Leute Betrüger undMüßiagänger. Nicht anders stehet es mit einem Wollüstigen aus. Seine Begierde geb t unendlich fort in dem Genuß einer Wollust/ nnd reichet die eine nicht zu/ so denkt er gleich an eine neue/ so daß er auch bis in das unnatürliche verfallt. Sein Bauch ist (ein GOlt- Welches genug seyn mag die unendliche Erstreckung seiner Neigung zu beweisen. Wolle jemand von allein dem ein anders behaupten; so müsse er nothwendig die Grentzen von diesen dreyen Hauptfeinden der Menschen zeigen. ^Wie ihm aber solches unmöglich fallen wurde: also sagen wir mit Recht/ daß die Sünde etwas unendliches in sich schliesse/ und daher gar groß sey. Denn wir dürfen nicht erinnern/ daß es bei) ihr nicht bloö auf ihren Ausbruch oder auf ihre Wirkung in der Welt/ sondern auf das Herz des Menschen/ auf seyn Dichten und Trachten ankomme. Das stehet GOlt an.
Wir erkennen daraus / wie gerecht eine unendliche / d. i. eine ewige Strafe der Sünden sey/ wenn sie nicht durch eine Genugthuung aufgehoben werden. Aber eben der, welcher dieses tbun soll / muß ihr einen unendlichen Werth entgegen setzen/ daß man sagen kann: ist die Sünde mächtig/ so ist doch sein Verdienst viel mächtiger. Die Kraft desselben muß einen noch weitern Grund der Unendlichkeit haben/ damit sie die Grösse der Sünden überwiege. Diese erkennen wir endlich/ wenn wir erwegen/
4) Daß sich dieselbe auf eine gar manchfaltige Art fortpstanze. Sie ist wie eine starke Wurzel/ welche Zweige treibet/ und bald ein ganzes Feld mit wilden Ausschlägen überziehet. Die Uebertrettung eines einzigen Gebothes ist eine Sünde wider das ganze Gesetz; ein einzigeö Laster stecket den ganzeti Menschen/ alle Kräfte des Leibcö und der Seelen an/ und verderbet ihn gleich einem giftigen Aussatz. Die Sünde eines Menschen verleitet ein ganzes Hauß/ eine ganze Statt/ ein ganzes Land/ und sie schleichet von einem Geschlecht zum andern fort. Sonderlich gehören hieher die Uebeinetimgen der Vorgesetzten und Angesehenen im Volke/ der Lehrer und Richter. W>e die Vorgesetzten/ so die Untergebenen/ wie die Lehrer/ so die Schuler; wie die Eltern / so die Kinder. Sind jene Lügner, so werdens auch diese; sind jene untreu/ Verleumder/ Heuchler / Atheisten / Feinde der Tugend/ Freunde der Laster / so werdens auch diese. Eine Sache die sie behutsam machewsoll- Noch mehr/ die Sünden gehen auch nach dem Tode des Menschen noch fort; und sündiget mancher nach seinem Tode noch gar schwehr in denen / die er sündigen gelehret bat. Solcher Ärgernissen ist die ganze Welt voll. Ich will nicht von dem allgemeinen Falle der Menschen in A- dam reden/ wir wollen an andere gedenken. Dahin rechnen wir alle Verführungen in kehren und Exempeln. Einer redet spöttisch oder gar lästerlich von GOtt undgött- lichen Dingen/ seine Kindel oder andere härenes/ diese machen si-lches nach/ wenn je.
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