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;64 Gresser Wochenblatt/ dlum. Xl.Vk.

schon erinnert worden/daß die unendliche Beleidigung der göttlichen Majestät auch eine unendliche Strafe nach sich ziehe/ folglich hier niernai eine Wiederherstellung zu erwarten sty; sodann kömnit nunin Betrachtung des Sünders hinzu/ daß auödcssel- den Bestrafung nimmermehr die Wüdrraufrichtuny des verlohrnen Ebenbildes erfolge/ noch dadurch der geschehene Misbrauch der Freyheit gehoben werde/ vielweniger die GOtt zugefugre Beleidigung aufhöre/ am allerwenigsten aber die Kraft das Böse zu überwinden und das Gute ohne Mange! zu thun/ erlanget werden. GOttes Ge­rechtigkeit ist aber so beschaffen/ daß sie nicht mit wenigem zufrieden seyn kann/ daS mehreste übe, stehet / und sodann der Güte wieder Raum lasset.

Die Sünde ist demnach / von Seiten des Menschen betrachtet / ein gar gros- ses Nebel/ folglich muß der Erlöser / wenn ihm einer zu gut kommen soll/ eine solche Person seyn/ welche neb|t der Bezahlung für die Sünden/ das Ebenbild GOttes wieder erneuten / die Freyheit in ihre rechte-Ordnung bringen/ die Macht der Sün­den und des Satans zerbrechen und den Menschen Kraft geben kann / vor G-Ott zu wandeln und ein heilig Leben zu führen/ so daß derMensch in ihm GOttwieder wohl- gefallen und in seinem Gerichte für gerecht angesehen werden kann. Diese Grösse erhel­let noch weiter daraus/

;) Daß die Sünde selbst etwas unendliches in sich schliesset. Sre ist ihrer Natur nach so beschaffen/ daß sie keine Grenzen leidet noch beobachtet. Wir wollen dieses zu beweisen und näher zu erklären/ die dre» Hauptlaster vor uns nehmen/ wor­aus die übrigen allesammtfliessen; Hochmuth/ Geitz und Wollust. Der Hochmuth har keine Grenzen/ das zeiget sich deutlich an einem Ehrgeitzigen. Har er eine Stufe der Ebrcn erlanget/ so will er eine höhere erreichen; hat er diese/ so ist er noch nicht zufrieden/ sondern will wieder weiter/ undsofort/ bis er endlich sich neben GOrt/oder wenn es möglich wäre/ über GOtt setzen könnte. So wenig kann diese Neigung zu Ende kommen/ daß sie vielmehr eine Begierde von unendlicher Erstreckung/ folg­lich eine unendliche Abweichung von dem Gesetze GOlteö in sich hat. Die Geschicht­schreiber melden uns/ es hätten sich Leute vernehmen lassen/ sie wollten eine andere Welt suchen/ wenn sie diese besieget/ ja sie hätten geweinet/ daß ihre Siege in den Bezirk dieser Welt eingeschlossen seyn sollten: sie härten sich schon in diesem Leben zu einem GOtt gemacht und göttlich verehren lassen. Wollen wir hieran zweifeln/ so dör- fen wir nur an die Sünde des ersten Menschen/ welche den betrübten Fall aller Men­schen verursachet/ gedenken. Gott.lässct uns selber wissen/ daß sich derselbe von dem Verführer einbilden lassen/ er werde GOtt gleich seyn/ wenn er sich seinen Gebothen . entzöge. Da können wir hinlänglich sehen/ wie weit der Hochmuth gehe. Gleiche Bewandtniß hat es mit dem Geitzigen. Ein Geitziger wäd nimmer latt. Seine Begierde gehet unendlich fort. Hätte er tausend Millionen/ so würde er doch so viel noch verlangen/ daß er nothdürftig leben könnte/ ohne jene Summen angreiffen zu dörfen/ tind wann er dieses auch hätte/ so würde er dennoch über die bösen Zeiten klagen / da man nichts mehr vor sich bringen könnte. Hätte er nun gar Kinder oder Enkel/ was würde für ein Kummer entstehen/ wie er jedem tausend Millionen und

noch