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Dienstag den i7tcn N^vembr. i7fo. j£f

Böse / es hassen/ ju verwerfen und zu bestrafen/ als auf das Gute/ eS <u lieben» ju befördern und ju belohnen. Diese einige Gerechtigkeit lasset sich so wenig theilen/ als man eme Sünde selber theilen und in ihr das Gute ton dem Bösen unterscheiden kann / indem sie nichts Gutes in sich hat.

Weil nun ferner auS der unendlichen Verschuldung eine unendliche Strafe erfolget: so fragen wir billig / worin dieselbe bestehe. Die Unendlichkeit lieget ent­weder in der inneren Grösse/ oder in der Dauer. In jener kann sie nicht liegen; denn nicht zu gedenken/ daß sie unmöglich ist/ so könnte sie auch kein Geschöpf aus- stehcn. Foigiich muß sie in der unaufhörlichen Dauer bestehen. Die Sünden wer­fen demnach den Menschen in ein solches Elend/ darin er/ weil die Beleidigung der unendlichen Majestät GOttes von ihm nicht kann gebusset noch gehoben werden / un­endlich fort seine Strafe leiden muß. Dieses zusammen genommen lehret uns gar deutlich/ daß sie sehr groß sind. Lassen wir uns aber durch diese Gedanken und durch dir göttliche Offenbarung auf einen Sündentilger führen / so erkennen wir schon hier­aus/ wie er müsse beschaffen fti-n. Er muß eine Person seyn/ welche wegen ihrer unendlichen Vollkommenheiten ihrer Erlösung einen unendlichen Werth geben kön­nen / um dadurch nicht allein der unendlichen Sündenschuld eine ihr gemässe Straf« entgegen zu stellen/ sondern auch der unendlichen Gerechtigkeit GOttes eine unend­liche Genugkhuung zu leisten; folglich durch einen ganz vollkommenen Gehorsam den Sündern die Seligkeit wieder zu erwecken. Wir begreiffen die Grösse derselben fer­ner/ wenn wir bedenken/

-?) Daß sie von den Menschen begangen werden. Von denen / die nach dem Ebenbilde GOttes geschaffen worden / die edle Freyheit und hinlängliche Kräften bekommen haben/ das Böse zu meiden und das Gute zu thun/ überdem nicht im Stande sind/ das edle Kleinod der Unschuld/ wenn sie es einmal verlohren/ ihnen wieder zu schaffen. Eine jede Sünde ist eine Rebellion wider GOtt/ eine Zerstörung des göttlichen Ebenbildes/ eine Verunehrung der unendlichen Eigenschaften GOttes/ ein schnöder Misbrauch der herrlichen Freyheit zur Beleidigung ihres Gebers/ eine Unterdrückung der Kraft zum Guten/ ein Verfall in das tiefste Verderben / worin der Mensch die unseligste Gemeinschaft mit dem Satan machet. Wird es hoch ange­sehen/ wenn ein Mensch in ähnlichen Umständnn gegen einen andern Menschen eine solche Untreue begehet/ die er nicht wieder ersetzen kann/ wie viel mehr muß solches in gegenwärtigem Falle gelten; da zwischen dem Verhältniß GOtteö gegen den Men- schen und zwischen dem Verhältniß eines Menschen gegen den andern ein gar grosser Unterschied ist. Der Verlust des göttlichen Ebenbildes/ der Misbrauch der Frey­heit/ die Unterdrückung unserer Kräfte ist ein unendlicher Schade/ die Rebellion wi­der GOtt/ der Uebergang zu des Satans Partie und die Verdeckurg eines durch un­sere Kräfte unwiederbringlichen Gutes ist eine unendliche Schuld. Wollte man den- ren/ durch eine lange und dabey harte Strafe des Sünders könnte alles wieder herge- stellet und gut gemacht werden; gieng eS doch in menschlichen Gesellschaften eben so zu: so hat dieftr Gedanke wohl einen Schein / aber keinen Grund. Denn einmal ist vorhin

3 i * schon