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zsr Giesser Wochen- Blatt/ Num. XLVI.

hinreichend seyn soll. Bey allen finden wir diesen Grundsatz/ daß fie thefts die Un> Vermögenheit und daS Verderbender Menschen leugnen/ theils die Sünde nicht vor so groß und schrecklich halten / als sie wirklich ist. Wir wollen daher über die Grüs­se der Sünden und über ihre Abscheulichkeit vor GOlt eine Betrachtung anstellen/ um zu sehen/ wie weit sich die Feinde dtr Wahrheit verirren/ und wie sehr wir verbunden sind/ nachdem Mittel zugreiffen, welches uns die Barmherzigkeit GOt- teS gegen dieses liebel verordnet hat. Schriftsteller werden wir nicht ansühren/ weil fit unsere Leser theilS kennen / theilö um unserer Nachricht willen nicht kauffen noch lesen werden.

ES ist bekannt/ daß wir unter den Sünden freye Handlungen verstehen/ welche wider GOtteS Gesetz sind. Essev nun/ daß man etwgS chut/ was darin verbothen/ oder unterlasset/ was darin befohlen ist; esse» auch/chaß solches wider das Naturgesetz oder wider ein besondres geossenbartes Gesetz geschehe. Alle sind von der Beschaffenheit/ daß sie nicht allein nichts zur Verherrlichung des Namens GOt- tes bevtragen/ sondern auch / so viel an ihnen ist/ denselben so gar verunehren; und den Sünder nicht allein von seiner wahren Glückseligkeit abhalten/ sondern in sein wirkliches Verderben stürzen/ der doch dazu geschaffen und in der Schöpfung mit hinreichenden Gaben versehen ist/ daß er GOtt preisen und ewig glückselig seyn soll. Die Giösse der Sünden begreiffen wir leicht/ wenn wir bedenken/

i) Daß sie wider GOtt sind. Diese wenigen Morde sind nicht obenhin gnzusehen. Sie vergreiffen sich an der höchster» Majestät/ an dem allergröstcn HErrn/ an einem Wesen / das allmächtig/ allwissend und allgegenwärtig ist: sie beleidigen ei­nen Schöpfer / der dem Sünder die allerhöchste Liebe und Gütigkeit erwiesen hat/ und täglich noch erweiset/ und in Ewigkeit zu erweisen bereit ist: sie lehnen sich auf wider einen HErrn/ dessen Gerechtigkeit so groß ist/ als seine Liebe, und dessen Hei. ligkeit so rein/ als seine Gütigkeit ist. Die Schuld richtet sich nach der Beleidigung/ die Beleidigung nach der Verbindlichkeit/ die Veibindlichkeit nicht allein nach dem/ welchem sie oblieget/ sondern vornehmlich nach dem/ von welchem sie herrübret und gegen welchen wir sie tragen. Es wird für ein Verbrechen der beleidigten Majestät gehalten/ und sehr hart gestrafet/ was gegen andere geringe Personen täglich gcschie- het und nicht einmal geahndet wird- GOttes Wesen und Eigenschaften sind un­endlich / die Verbindlichkeit/ so davon henühret ist eben so groß / folglich auch die Beleidigung/ folglich auch die Schuld. Wollte man anders denken / so müste tnan behaupten / eine Sünde verletze nur in etwas die Liebe/ Gnade urt) Gütigkeit GOtteS: diese Eigenschaften wären also getheilet und blieben eines Theils unverletzt- WaS wir hier von etlichen Eigenschaften sagen/ daS gilt von allen. Solche Gedanken sind aber offenbar falsch/ zu geschweigen/ daß/ wer sie dennoch hegen wollte / beweisen müste/ in welchem Grade die Beleidigung an G Ott geschehe/ und in welchem sie nicht geschehe/ er muste die Grenzen zeigen/ wie weit sie gieng/ und wo sie aufbörete. Die Gerechtigkeit GÖttes führet uns vollends in die richtigen Wege. Sie ist nicht getheilt/ fonU'i n gehet eben so wohl ganz auf das

Böss