Ausgabe 
17.3.1750
 
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Dienstag den wnHTnrt. i7fo> h

uns mehr Hindernisse in den Weg legen/ als wir zu überwinden vermögen / undda- Glück weiö sich in unsre Geschäfte dermassen einzuflechten / daß manchmal in einem Au­genblick geräch/ was ivir in vielen Jahren nicht vcrmuthet hätten / manchmal aber alle Arbeit/ alle Sorge / aller Schweiß von ihm vereitelt und unser Endzweck entweder in nichts/ oder in das Gegentheil verkehret wird. =0 so will ich denn lieber den/ der ü- der Wind und Wellen zu befehlen hat / der Sonne/ Mond und Sterne lausten und stille stehen heisset / und vor dessen Wink die ganze Natur sich mit Zittern demüthigeri muß / meine Sachen hinaus führen lassen / als daß ich meine ohnmächtige Nerven um- fonft anspannen und von dem Glücke mit meinem Vorhaben zu meiner Quaal spielen lassen will.

Unser Herz wird ganz leicht / wenn wir solchen Gedanken nachhangen / und ein sanfter Wind blaset alle Sorgen und allen Kummer aus unferm Gehirne. GOtt weis besser / als ich ihm sagen kann/ wie meine Umstande insgesammt beschaffen sind/ und was darin nöthig und heilsam ist ; GOtt will mehr / als ich bitten kann/ alles Uebel wenden und alles Gute geben; GOtt kann mehr thun/ als ich wünschen kann und mehr Freude schenken/ als ich annehmen. Was da kommt/ daö kommt von GOtt; warum sollte ich es denn nicht vor das allerbeste halten/ warum solte ichmur- ren/ warum unzufrieden seyn/ da ich es so gut habe/ daß man es nicht besser haben kann. Wlll etwas meinen Sinnen nicht gefallen ; ey so weis ich ja/ daß ich nicht verstehe/ was mir ersprießlich ist/ und daß der Allerhöchste / dermirs zugeschicket/gründ­licher eiusiebet/ ob mirs tauget oder nicht / und daß er es von mir würde abhalten kön­nen und wollen, und also ganz sicher abgehalten haben / wenn er nicht in seinem un­endlichen Verstände befunden hätte/ daß eS Mir entweder an und vor sich selbst / oder durch die Folgen dienlich/ ja am allerdieniichsten ist.

Wir haben oben nicht ohne Bedacht neben das Vertrauen aufGOttumzur wahren Zufriedenheit zu gelangen auch dieses gesetzt/ daß man das Seinige mit allem gleiste und möglichster Treue thun soll ; denn dieser Theil der Regel lasset sich von je­nem durchaus nicht trennen. Wer seiner Schuldigkeit wissentlich nicht nachkommt/ der übertritt die Gebotte GOttes/ weil eben diese die Vorschriften sind/ woraus man siebet/ was man zu thun schuldig ist. Wer die Gebotte GOttes übertritt/ der sagt ihm den Gehorsam auf/ will ihn nicht mehr vor seinen Herrn und -Oberen erkennen/ und ist in dem grossen Reiche des Allmächtigen ein Aufrührer. Die Gerechtigkeit dieses unumschränkten Königes e-fordert/ daß er nach seiner Weisheit den Rebellen züchti­ge/ ihn zu paaren treibe und mache/ daß ihn seiner Widerspenstigkeit gereue. Da« her erfordert die Gerechtigkeit, daß er seine Liebe weislich zurück halte und dem Misse- thater das Gute entziehe und ihm Strafe auflege/ die ihn drücke und zur Erkennmiß/ Buffe und Besserung bringe. Es kann also ein solcher Mensch / was den Willen GOttes anbetiift/ wenn er darüber Nachdenken will/ kein anders als ein widriges und unangenehmes Schicksal erwarten und muß auch selbst bekennen / daß er keines andren würdig ist/ folglich aber muß das Vertrauen auf GOtt gemindert und durch seine

L $ Sünde