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<4 Giesser Wochenblatt / Num. XL

Urthal zu fällen / DaS alle Zeit aushält und nie bereuet zu werden verdienet. Mn/ mein Freund/ wilst du nun lieber Richter seyn/ oder soll GQtt sagen / waS dir wie­derfahren soll ? wilst Du nun nach deiner geringen Einsicht in das gegenwärtige bcy völ­lig mangelndem Begriff der Zukunft Reiser lesen / welche die Zeit in Ruthen verwan­deln und dir auf den Rucken binden wird / oder wilst du lieber GOtt sorgen laffen und von chm das / was sein unergründlicher Verstand und seine unbegreifliche bis m die wei­teste Ewigkeit blickende Weisheit vor dich aussuchel/ mit innigem Vergnügen und mit der ganz gewissen Ueberzeugung annehmcn / daß dasselbe nicht allein besser / als waS Du zu wünschen dich etwa unterstanden/ sondern oaS allerbeste ist unter allem/ das ßt» ischeben können? Wenn Du nicht das lezte wählest; so verdenke unS nicht / wenn wir Dir ungesehener sagen / Du feyest wie ein Kind/ das klüger seyn will / als fein Vater, rmv das weinet/ wann ihm dieser das spitzige Messer verweigert / womit es sich die Augen ausstechen wird. .

Sollte es am Willen G-Ottes fehlen/ so wurde ftcylich alles/ was von sei- «em Verstände gepriesen worden/ uns wenig zu statten kommen. Allein man muß GStt gar nicht kennen / wenn man nicht ftjiiglich glaubet/ daß er ein unerforschlicher Abgrund der Liebe und Barmherzigkeit ist. Er hat uns nach seinem Bilde geschaffen; er erhält uns ; er gibt uns Kleider und Nahrung und/ woran wir uns immer vergnü­gen können / das haben wir von ihm : wie sollte er uns Denn nicht von ganzem Her­zen geneigt fe$n / Da er uns so viel zu gute thut? Liebt ja eine Mutter ihr Kind/ und wann sie seiner vergessen sollte/ siehe so hat er es in seine Hande geschrieben. Wenn wir uns weiter über die Schranken der natürlichen Erkenntniß erbeben und fln das gedenken/ was Die Offenbahrnng von unserer Erlösung spricht/ so können ww mit desto ungezweifelter Gewißheit sagen / daß unser Vater im Himmel uns werd mehr liebet/ als wir uns selbst. Wem wollen wir uns nun überlassen; Dem/ Der uns Mehr/ oder dem / Der uns weniger liebt ? GOtt hat ein zarter Herz gegen unS / als unser eignes ist/warum sollten wir denn nicht auf GOtt mehr/ als auf uns selbst vertrauen.

Zu diesen beyden Gründen gesellet sich noch Der Begriff Der göttlichen All­macht. Ein Freund / Der weis / was mich d. üeft / und Der sich angelegen seyn lasset/ mir zu helfen/ hat aber die nöthige Kräfte nicht; der verdienet zwar unsre ganze Dank­barkeit/ allein seine Bemühungen nutzen uns doch nicht. Hat er aber bey seinem gu­ten Willen auch Die Macht in Der Hand / daß er thun kann/ was er will/ so fehlet «un nichts mehr zu Der erwarteten Hülfe und zu unserer Glückseligkeit. Kann aber eine grössere Macht erfunden werden/ als die göttliche ? Dieser ist nichts unmöglich / nichts schwer / nichts mühsam ; sondern kostet dieselbige eins / wie das andre / nichts mehr als das befehlende Wort: es geschehe/ so muß alles geschehen / und kein Din- ist im Stande sich zu w dersetzen. Wir Menschen aber machen hundert Anschläge und können keinen einzigen ausführ n/ die Mittel/ die wir vor uns haben / reichen nicht hin/ und oft himeichen/ können wir nicht erlangen. Ein boshafter Mitbürger kaim