Ausgabe 
17.2.1750
 
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noch den Dienst, wie vor Alters, da ein ungeübter Zeichner, wenn er statt eines Pferdes einen Esel gemalt hatte, den Mangel damit ersetzte, daß er darüber schrieb: dieß ist ein Pferd. Und wer wolte die falsche Absichten alle erzählen, die einjeder nach seiner Neigung zu erreichen sich vorsetzet i

Die Mittel, die zu solchen übel ausgesuchten Endzwecken führen sollen, sind selten besser beschaffen. Viele verachten jederman neben sich, verläumden den Nebenmenschen, kranken den Unschuldigen mit gottlosen Lügen, um vor scharfsich­tige, die die verborgenste Fehler entdecken können, und vor scharfsinnige, die gutes und böses lächerlich durchziehen können, angesehen zu werden und zugleich von sich die ungegründete Vermuthung zu erwecken, daß sie nichts Tadelhaftes an sich ha­ben. Die Eigenliebe und der Hochmuth überreden sie, andre ftpn halb taub und nicht im Stande, den Vogel am Gesänge zu erkennen. Viele suchen sich bey de­nen, von welchen ihre Beförderung abhänget, einzuschmeicheln ; sie schämen sich kei­ner Niederträchtigkeit, erdulden von denen, die sie erheben sollen, alle Verachtung und allen Spott, bequemen sich die lustige Person vorzustellen, und verleugnen da- bißgen Verstand, das sie in ihrem Leibe haben , um einen kleinen Schritt auf der Bahn der falschen Ehre weiter zu kommen. Viele werfen die wahre Ehre hinweg um die eingebildete zu erreichen, sie stellen sich, wie der Hund, der über den Steg lief und das wirkliche Stück Fleisch, das er mit den Zähnen hielte, fallen ließ, um den Wiederschein desselben in dem Wasser zu erhaschen. Viele opfern ihre, ihrer Weiber, ihrer Kinder, ihrer Freunde Ehre auf, um ein wenig Ansehen bey de­nen zu bekommen, die in ihren eignen Augen die Mühe nicht lohnen, in Betrach­tung gezogen zu werden. Viele wollen mit Geld, von dem sie glauben, daß es die ganze Welt zwinget, die Ehre kaufen, die bloß vor Schweiß feil ist. Viele erhandeln sich vor Geld drei) Buchstaben, die die Kraft haben, sie und ihre Nach» foiger in das Verderben zu stürzen. Wer mehr dergleichen ungeschickte Künste lernen will, der gebe nur Acht auf das, was täglich geschiehst; so wird er zugleich inne werden, daß nicht allein dieses Blatt, sondern der ganze Jahrgang nicht hin­reiche, von allen eine Verzeichnis zu machen.

Äusser dem, was wir von den Absichten und Bemühungen derer, die von der wahren Ehre keinen Begriff haben, bereits angemerket, verdienet auch noch die­ses angeführet zu werden, daß sie sich einen Schatz sammlen oder sammlen wollen, der der Gefahr, verlohren zu werden, gar sehr unterworfen ist. Tägliche Beyspie- le überzeugen uns davon, und wie ists möglich, daß ein Gebäude, das keinen Grund hat, fest stehe ? Vor allen dergleichen Zufällen aber, vor aller List der Fein­den, vor allem Unglück, und vor allem, was andre ängstlich fürchten, ist der ruhig und sicher, der ein wahres Lob durch Tugend erworben hat. Denn obgleich der Erdboden allezeit Creaturen träget, deren neidische Zungen sich angelegen seyn las. fen, den ehrlichsten Mann um seinen guten Namen zu bringen, so gibt es doch gar leichte Mittel, sich wider ihren Gift zu wehren. Sind die Lügen allzu offenbar,

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