Dienstag den r?ken Febr. i?fo. f,
nicht mehr Mühe anzuwenden braucht, den Ehrgeizigen zu rühmen, als etwa vom Wetter zu reden, durch das erste aber denselben, dessen nun bey gewisser Gelegenheit sich bedienen will, zum Freunde machen kann; so schilt man ihn tapfer, gelehrt, witzig, tugendsam, reich, schön u- s- w. mit dem geheimen Vorbehalt, daß man im Herzen das Gegentheil zu glauben die Freiheit habe. Man schmeichelt auch wohl denen , die uns weder nützen noch schaden können , um sich auf ihre Rechnung lustig zu machen ; und vergnüget sich an dem Anblick eines Menschen, dec sich über das unverdiente Lob wie der Frosch in der Fabel aufbläsct. Wenn es also wahr ist , daß die Ehre in dem guten Urrheile andrer von uns bestehet, und in diesem Falle die andre in der That nicht gut von uns urcheiien; so muß jemand sehr unvernünftig seyn, der dergleichen Reden sich vor eine Ehre hält. Es ist also nö- rhig, daß die guten Worte von Herzen gehen, und eine ungekünstelte Versicherung eines aufrichtigen und verständigen Mannes, daß er uns vor tugendsam halte, gilt hier mehr als alle mit unendlichen kobfprüchen ausgezierte Heucheleyen.
Es gibt gewisse sehr gleichgültige Dinge, welche in den Augen und Ohren der Ehrgeizigen grosse Würkung haben. Von der Art sind die Titel, Der Rang u. d. g. Der Rang ist dazu gewiedmet, um wohlverdienten Leuten einen Vorzug vor andern einzuräumen. Man lässet sie voran und auf der rechten Seiten gehen, man setzet sie oben an, man spricht ihnen zu erst zu, und erzeiget ihnen sonst alles, woraus geringere abnehmen können, daß man jene höher hält, als sie. Allein alle dergleichen so genannte Ehren wiederfahren nicht selten denjenigen, die nicht allein ttn geringsten nichts vor andern zum vcxlus haben, sondern die in der That werth wären, daß man gar keine Achtung vor sie hätte. Dieser Ursache halber ist ein hoher Rang eine elende Speise sehr ehrhusgriger Seelen, und ob es gleich verdrießlich ist, wenn man sehen muß, daß man weniger Höflichkeit gegen uns, als gegen einen andern, der nicht den zehnten Theil so viel edles an sich hat, äussert; so ist eS einem weisen Manne gleichwohl nicht schwer, dieses kleine Unglück zu ertragen , weil er sich damit tröstet, daß ein lastbares Thier nicht deswegen besser ist, als Der Müller, weil es vor ihm h rgchet.
Die Titel sind von gleich-r Beschaffenheit. Wenn man sie durch Tugend und Wohlverhalten erworben ; so zieren sie, aber nicht so wohl sie selbst , als vielmehr unsre Vortrestichkeit, davon sie ein Zeichen sind. Hat man sie gekauft oder wenigstens nicht verdient; so sind sie Schatten ohne Cörpcr, die nichts bedeuten, als etwa höchstens eine Eitelkeit, vermöge Der wir wünschen, Daß anDre glauben möchten wir seyn etwas, daß wir nicht sind. Sind sie Namen eines höbern Amts, als wir bekleiden; so stehen sie uns, wie Dem kleinen Kinde der Rock seines Vaters- Ist man endlich durch Schandthaten dazu gekommen , so sind sie Schellen, die man uns angehänget hat, damit wir, wo wir hinkommen, unsre Schande verkündigen. Rang, Titel und alles, was hierher gehöret, sind kurz zu sagen Dinge, die Den flehten mcht groß, und Deren Mangel Den grossen nicht klein macht, und
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