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Dienstag den ijtert Decembr. i7fo. j?7

m so weit wird seiner Freyheit überlassen/ wie er sich der Gelegenheit auf llniversitäten bedienen will an Gelehrsamkeit und Tugenden zu zu nehmen. Das sind seine Hand­lungen/ die ihm vermöge des Begrisses von seinem Stande zu kommen/ in denen ist er sein eigener Herr und man überläßt seinem Gewisse»/ wie er seine Einrichtung ma­chen will. Er hat auch noch überdises desondre Privilegien/ deren sich andre »id)t ja erstellen haben/ und die seine Freyheit vergrösserir. Je mehr er diesem und allem' an­dern nachdenkl/ jemehr wird er finden/ daß er kein grösseres Zeuguiß seiner vorzügli­chen Freyheit ablegen kann/ als wenn er sich bemühet/ andern Menschen/ die er vor minder frei) hält/ an Verstand und guten Sitten es zuvor zu thun.

Beschluß dcs Briefs vorn Lesen-

Ein wohlbelesener Mann hat weder Titel noch Würde/ noch Reichthum nöthig/ sich in Ansehen zu bringen. Verständige lieben ihn/ Tugendhafte achwn ihn hoch / auch die Unwissende machen sich eine Ehre daraus / mit ihm umzugehen/ und setzen ihn als eine Zierde an ihre Tafel. Ich darf noch hinzusetzen / daß die ge­meinste Sachen in seinem Munde eine Anmuth erhalten/ und baß ihm der gute Vor­trag geläufig wird / und er nach der verschiedenen Art/ wie er die Sachen verstellen will/ theils ergötzet theilö unterrichtet.

Aber ehe ich schliesse/ bitte ich mir noch ein wenig Zeit zu vergönnen/ und mir zu versiatten/ daß ich |ie auf den Gedanken von einer Vergleichung bringe/ den ich als einen Beweis/ der am nieisten einnimmt / und dem man nicht wohl widerste­hen kann / zurücke behalten habe. Lassen sie mich linker gesittete Leute einen Unwis­senden und einen belesenen Mann führen / und lassen sie das Gespräch von etwas wichtiges und nicht gemeines handeln; wie ungeschickt/ wie tumm/ und wie unberedt ist nicht der eine.' Hingegen wie fertig / wie scharfsinnig und wie reich an Gedanken und Worten ist nicht der andere. Jener findet sich genöthiget/ ein schändliches Still­schweigen zu beobachten/ da dieser aller Aufmerksamkeit an sich ziehet/ und den Bey- fall davon traget. Man siehel dieses täglich.

Sie denken ohne Zweifel wohl/ daß ich hier nicht von denen Gelehrten re­de/ welche durch ihren allzugroffen Fleis stumpf geworden/ und sich durch die Stu­dierstube und Eingezogenheit zur Gesellschaft fast ganz unfähig gemacht haben. Ich rede noch vielweniger von denen witzigen Köpfen/ welche den Mund nicht aufthun/ als nur mit ihrer Wissenschaft zu pralen/ und welche nur suchen/ sich mit ihremVer- siande und ihren Einfällen überall sehen zu lassen. Von diesen letzten Leuten kann man gar wohl sagen / was ein gewisser Prinz/ als er von zwecn Bedienten seines Hofes redete/ scherzhaft sprach; daß sie ganz gut gewesen wären/ wenn sie niemals hatten lesen können.

Ich

Ddd?