Giesser Wochen - Blaer/ Ntim. XXXVII.
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begriffet» ist und aus dem Heutigen/ als aus seiner Ursache/ erfolget; so ist dasMor- geukunftige an und vor sich felb|t allschon heute ganz gewiö, ja auch in dem Verstau- de dessen/ der das heutige durch und durch verstehet, d. i. wenigstens in dem Ver. ftanDe GOttes ist eS allschon heute gewis. Von GOtt aber wird eben deswegen nicht geleugnet, daß er etwaü aus dem heutigen morgen entspringendes, wenn es ihm etwa nicht gefiele, nicht hintertreiben könne: denn zugeschweigen, daß es von ihm de- vendirte, ob er vaS Heutige machen wollte/ oder nicht, ob er es so machen wollte/ oder anders-, so bleibet ihm allezeit seine Allmacht ungekränket, daß er ändern kann/ waö er will. Allein GOtt weis auch heute schon/ ob eS feiner Weisheit und dadurch allen seinen übrigen heiligen Eigenschaften gemäß sey, das morgen aus dem heu- tiaen erfolgende kommen zu lassen oder nicht / und weil er folglich weis, was morgen koinmen wird, wenn er nichts selbst ändert, auch dabey weis? ob er nichts oder etwas ändern wird, und wie er es ändern wird; so fehlet nun nichts mehr um zu verstehen, daß das Morgende bereits heute so wohl an und vor sich, als in dem Verstände GQt- tes gänzlich gewiS siy. Eben so war das Heutige gestern, das Gestrige vorgestern und so weiter fort biS an den Anfang; ja mit einem Worte, eS war alles/ was gekommen ist und noch kommen wird, von Anbeginn gewis. Unter diesen Begebenheiten ist auch der Tod der Menschen. Also war auch von Anbeginn gewis, wenn/ wo/ an was für einer Krankheit und mit waö für Umständen ein jeder Mensch ster- ben weide. An dieser Auslegung kann Niemand zweifeln, eS sey denn, daß er mit den Socinianern und ihres gleichen daS Vorherwiffen GSttes leugnen wolle; und wer daran anstehet / daß er die hier beschriebene Gewisheit von der oben geleugneten Notbwendigkeit nicht deutlich genug zu unterscheiden vermag, der bedenke deswegen, daß unsre Gewisheit nicht mehr und nicht weniger Nothwendigkeit einführet, als daS GOtt nicht ohne Lästerung abzusprechende Vorherwissen. Weitere Antworten auf diesen Zweifel würden uns tiefer in die Gelehrsamkeit hineinführen / als wir uns in dieselbe allhier und überhaupt in unserm Wochenblatts einlassen Dorfen.
Vielleicht denkt jemand: wenn den»! der Tod, dessen Stunde und alle Umstande so gewiS sind, als hier vorgegeben wird, so ists abermal umsonst, daß man sich um Mittel wider ihn bekümmert. Denn ist das mein Stündlein, es mag eS nun nothwendig oder nur gewis scyn / so muß ich in ihm den Weg in das andre Le- bcn anttetten, und die Arzney wird umsonst eingenommen; ist das aber mein Stund- lein nicht, so brauche ich keine Hülfe deö Arztes, sondern ich werde ohne ihn davon kommen. Allein ein solcher Emwurf kann nur dem einfallen, der nicht bedenkt, daß eben die Gewisheit der Mürkung aus der Gegenwart der Ursache hergeleitet und nicht behauptet wird / daß jene unverändert verbleibt wenn schon diese nicht vorhanden ist. Der Gebrauch der Gegenmittel, der machten Mittel, die Unterlassung des Gcbrau- chcö u s w. gehören auch mit zu denen voraus gewissen Bedingunaen, unter welchen nachgehends Leben oder Tod gewis sind. Mit dem Gebät verhält sichs wie mit der Sirmev. Mao darf mcht denken, daß eö nichts helfe, weil vorher, ehe wir bäten, * X * bereits


