Ausgabe 
15.9.1750
 
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Dl'enstäg den rsten Sept. i7fo# r-e

bereits gewis ist/ ob wir sterben oder nicht. Denn das Gebät/ wiewohl es nicht iit die Gesundheit des Menschm cörperlicher Weise wie Pulver/ Tropfen/ u.d.g. wür« ket/ so gehört es doch auch mit unter die von GOtt vorhergesehenen und in Betrach« Ning gezogenen Bedingungeti/ unter welchen GOtt beschlossen hat den Lauf der Na­tur einzurichten/ oder zu ändern/ den Tod zu zu lassen/ oder zu hintertreiben- Man stelle sich nur GOtt nicht vor als einen/ der die Sache stückweise beschlossen und nachgehends in den Tag hinein lebt/ ohne zu wissen/ was zwischen dem von ihm de« cretlrten Dingen passiren wird/ das werth wäre / daß man ihm zuliebe hin und wie­der in dem beschlossenen etwas andere; so wird man keinen Zweifel übrig behalten.

In der heil. Schrift hat inan ein Exempel von dem frommen König Hrskras/ her todkrank lag und dem von dem Propheten Estria kund gethan wurde? daß er ster­ben würde/ auf dessen Gebät aber auch fein Leben auf i f. Jahr verlängert und das Versprechen mit einem Wunder am Sonnenzeiger versiegelt.wurde. Man möchte uun fragen: war denn dieses Königs Tod vor seinem Gebät gewiS oder nicht? So leicht aber die Frage ist; so leicht ist auch die Antwort: Es war gewis/ daß er nicht damals / sondern erst in i s. Jahren sterben werde. Allein so schiene ja der Prophet mit der Uriwahrheit umgegangen zu seyn? Nichts weniger. Denn er sagte darin die völlige Wahrheit/ daß nach dem ordentlichen Lauste der Natur und ohne unmutelba- re gnädige Würkung GotkeS Hiskias nunmehro sterben müsse. Er sagte/ was ge­schehen werde/ wenn die Natur sich selbst überlassen würde/ und verheelte noch zur Zeit/ daß G-Ott durch Wunder heissen wolle; dadurch aber spornte er den König zu einem desto eifrigern Gebät an/ das GL)lt haben will/ und ermunterte ihn also dem Verlangen GOtteS ein Genüge zu thun.

Die gegebene ErNärnng gebet auf alle Arten des Todes / er mag die Folge einer Krankheit/ oder eines ohngefähren Zufalls oder auch einerWuth gegen sich selbst seyn. Warum es GOtt geschehen lasset/ daß ein Mensch sich selbst ums Leben brin­get/ wollen wir jetzo nicht untersuchen; denn diese Betrachtung gehöret nicht hierher/ sondern dahin / wo von der Zulassung deS Bösen besonders gehandelt wird. Wie aber das ;um voraus gewis seyn könne, was gänzlich auf der freyen Entschliessung eines Menschen beruhet/ könnte manchen schwer zu begrciffen seyn. Wir wollenunS nicht blos auf das Vorherwissen Gottes beruffen/ denn dieses macht nicht die Ge­wißheit/ sondern es folget aus ihr. Wir wollen vielmehr kürzlich anzeigen/ wie die Freyheit selbst so geartet sey/ daß man voraus wissen könne/ zu was sie sich entschlies­sen werde. Wenn ich etwas nach meiner Freyheit will/ so habe ich gewisse Gründe vor mir es zu churr/ und gewisse andre Gründe/ es zu lassen; weder diese noch jene nöthigen mich; nach meiner Ainsicht aber halte ich jene vor wichtiger/ als diese; da­durch grbe ich ihnen selbst die Kraft einer völlig zureichenden Ursache/ und entschliesse mich ihnen zufolge- Wer folglich meine Gründe weis/ die ich auf beyden Seiten ha­be/ und kennet den Grad nieiner Einsicht/ der weis vorher zu was ich mich entschlies­sen werde/ ob ich mich gleich freywillig entschliesse. Da aber die Gründe meiner zu- sünstigen