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Dienstag den i sden Sept. i?fo. r-z

wendig / daß Titius heut Abend um 6. Uhr an der Lungensucht stirbt/ indem er so wohl das Leben länger behalten, als auf tausenderley andre Weise es früher und spä­ter verliehren konnte. Hätte er beyzeiten gleich in Anfänge der Krankheit bewährte Mittel eingenommen/ so hätte er entweder noch einige Zeit erhalten oder gar noch ein steinalter Mann werden können/ wie die Erfahrung von andern bewiesen hat. Hät­te er aber bey der ersten Empfindung des Ansatzes gleich heftiger / als vorher/ auf feine Gesundheit losgestürrnet / so hätte er den heurmen Tag nicht erreicht. Härte er einte ge Zeit vorher einen an einer sehr ansteckenden Seuche darnieder liegenden Freund be- sucht / dabey sich nicht in acht genommen und noch dazu einen Eckel gefaßt; ober wä­re ihm ein schwerer Ziegel von einem Dache aufs Haupt gefallen; so würde ihn eine andre Krankheit oder ein ungefährer Zufall in das Reich der Toden geschickt haben. Also siehet man ganz deutlich/ daß entweder in der ganzen Welt nichts zufällig ist/ welches ungereimt wäre zu behaupten; oder auch keine Nothwendigkeit vorhanden ist/ derenthalben Titius auf die beschriebene Weise seinen Geist aufgeben müssen.

Gleichwohl aber war es bey der Geburrh des Titii / ja vor» Anbeginn der Welt ganz gewis / daß er heute Abend um 6. Uhr an Der Lungensucht sterben Wer­ve. Es ist ein himmelweiter Unterscheid zwischen der Nothwendigkeit und der Gewis- heil/ wie man/ um kurz von Der Sache zu kommen/ an Den leichtesten Exempeln se­hen kann- Wir glauben nicht/ daß ein einziger unter unfern Lesern vor nothwmdig hält / daß der Tods muß begraben werden Denn man könnte ihn liegen lassen / man könnte ihn ins Wasser werfen/ man könnte ihn verbrennen/ u. d. g. Gleich­wohl aber würde man einen auslachen / wenn er zweifeln wollte/ ob Der und Der / Der gestern gestorben / würde begraben werden. Würde er seinen Zweifel entschul­digen und behaupten/ eS könnte ja geschehen / daß er nicht begraben würde/ und sey also nicht norkwendig; so würde man ihm das zwar lassen / aber dabey doch ant­worten/ daß Die Bestättigung zur Erde dem ohngeachk ganz gewis und zuverläßig sei». Eben so meinen wir es auch hier/ Die Art und Stunde des Todes ist zwar nicht noch- wendig/ allein eine wie Die andre ist dennoch von Anbeginn her gänzlich gewis.

Diese Gewisheit aber bestehet Darin. Obgleich in Der ganzen Welt nichts nothwendig geschieht/ sondern alles ebensowohl ausbleiben als kommen kann; foge* schiebet gleichwohl nichts von ohngefäkr/ sonDern Das vorhergehende enthält allemal et­was hinlängliches in sich/ woraus von demjenigen/ Der Verstand genug hat/ satt­sam begriffen werDen mag / wie DaS folgende beschaffen seyn wird. Was morgen kommt / entstehet aus Dem / das heute Da ist, und ist gerade so und nicht anders ge­artet/ weil das Heutige erfordert/ Daß es so und nicht anDers geartet sey. Daß Die­ses auch so gar bey Dem/waö auf Den freuen Willen vernünftiger Kreaturen ankommt/ wahr bleibet/ so lange man Den Verstand des Wortes erfordere nicht mit zwingen» nöthigen u. D. g. verwirret/ wollen wir weiter unten sehen. Ist es also an dem / daß das Heutige das Morgenkünstige bereits in sich begreift/ wie ein (Saamen seine Frucht/ daß sich morgen alles fo und nicht anders entwickeln wird/ wie es in Dein Heutigen

Ho - be-rifs