Ausgabe 
15.9.1750
 
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r,r Gresser Wochenblatt/ Num* XXXVir.

bic in dSr Natur vorhanden sind- Der Mensch aber hat nicht die Macht länger Athem zu hohlen/ als es seine Lunge zulaßt / länger zu verdauen / als sein Magen ttt! Stande ist, mit einem Worte/ länger zu leben / als sein Cörper dazu aufgelegt ist. Verkürzen kann man aber dieses Ziel / indem man durch die Lebensart allerdings machen kann/ daß man frühzeitig stirbt und folglich der besondre Termin den allge­meinen anticipierek. Ein Mann/ der hundert Jahre hätte leben können/ kann durch Unmaßiakeit seine Natur dermaßen schwächen/ daß er in der Helfte seiner Jahren da­bin fahren muß; ein Selbstmörder stirbt/ wenn er will/ und das Unglück wartet auch nicht/ bis unsre Uhr ausgelauften. In soweit also hat die Sache ihre fXidj* tiakeit/ daß eine gewisse Zeit ist/ in welcher der Cörper/ wenn G-Olt nicht ein beson« dres Wunder thut/ natürlicher Weise zerbrechen muß/ und daß der Mensch/ der nicht allmächtig ist / die zu Grund gehende Maschine nicht erhalten und folglich dreall- acmcine und durch den Bau des Leibes determinirte Lebenszeit nicht verlängern / aber wohl / weil er seine Glieder zu mißbrauchen / zu verderben und vor der Zeit abzunutzen vermag/verkürzen kann. , u., . _,.x.

Allein es ist leicht zu sehen/ daß diese Erklärung die Hauptfrage nicht beant­wortet/ und nur so viel sagt / als einem ohne bas geringste Nachdenken gleich im An­fänge beyfallen muß. Denn man will nicht wissen / ob der Mensch eher/ oder nicht eher sterben könne/ als sein Leib zum Leben gar nichts mehr nutz ist. Wer wird so wenig Verstand haben/ daß er liicht gleich einstehet/ was er hierauf antworten soll. Denn unser Cörper kann sehr wohl mit einer Uhr verglichen werden/ die/ wenn sie lanfft/ sich beständig abnutzt. So oft em Zacken eines Rades ausgehoben wird/ so ost geht etwas/ wiewohl unbeschreiblich wenig/ davon ab/ folglich muß derselbe end­lich "einmal zu dünne unD zuletzt entweder verbogen oder gar abgebrochen / und damit die Uhr zum lausten untüchtig gemacht werden. Eben so muß also der Leib auch end­lich verderbet werden. Und wie der Uhrmacher durch keine feine Arbeit/ durch kem Säubern und kein Putzen hindern kann/ daß die Uhr nicht endlich unbrauchbar werde; so kann der Mensch durch keine Diät/ durch keine Arzency und durch nichts denCör- per erhalten/ wenn seine zum Leben nöthige Theile ruinirt sind. Gleichwie man aber ei­ne Uhr / die hundert Jahre hätte gut gehen könnerr/ auf einmal mit dem Hammer m Stücken schlagen/ oder durch unverständigen Gebrauch vernichten kann; so kann auch der Mensch sein Leben vor der Zeit durch den Selbstmord oder durch Unmaßigkett verliehren. Alles dieses ist freylich sehr simple und natürlich; aber es begreift auch das­jenige nicht in sich / das man wissen will. r k

Das ist die Frage: Titius stirbt an der Lungensucht und zwar heute Abend um 6. Uhr-, war das nun nothwendia; muste er gerade heute sterben und konnte er nicht aushalten bis Morgen; muste ihn gerade die Lungensucht hinreißen; konnte ihn nicht ein hitziges Fieber / oder die Ruhr / oder soirst dergleichen aufreiben? Hierauf ist unsrer Einsicht nach folgender Weise zu antworten: Weil man sagt/ es geschähe et­was nochwendig/ wenn unmöglich ist/ Paßes nicht geschehe; so istö Nicht noth-