Ausgabe 
15.9.1750
 
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Dienstag drn i seeu Sept. i7fo* ijx

Go absurd der bisher betrachtete Gedanke immer ist; so findet er doch noch heut ju Tage auch unter uns seine Liebhaber. Denn es giebt Leute/ die bcy den ge- jährlichsten Krankheiten sich der Hülfe des Arztes nicht bedienen wollen/ und deutlich zu verstehen geben/ daß sie dieses nicht darum khun/ daß sie glauben die Arzney habe keine Kräfte in den menschlichen Cörper zu würken; sondern deswegen/ weil sie glau­ben/ wenn ihr Ziel dasey/ so müsten sieden Weg alles Fleisches wandern/ sie möch­ten einnehmen/ was sie wollten / und wenn ihr Ziel nicht da sey/ so müsten sie davon kommen/ obste gleich nichts brauchten. In der That man muß sehr subtil distingui- ren können/ wenn man zwischen der erstm und letzen Meinung einen Unterscheid fin­den will. Wmn man aber doch ein Ziel haben will; sollte man nicht lieber also den­ken? wenn mein Ziel vorhanden ist/ so wird die Arzney bei) mir nicht Anschlägen; ist cS aber nicht vorhanden/ so w>rd sie Helsen/ und ich werde durch sie und Gottes See­gen meine Gesundheit wieder erhalten: weil ich nun nicht weis/ welches ist/ so will ich einnehmen und aus dein Ausgang lernen/ ob mein Ziel da war oder nicht. Wen» man nicht so denken will/ so ist nicht abzufeben/ warum dergleichen türkische Glau­bensgenossen nicht auch aus eben dem Grunde das Essen und Trinken einstellen. Denn wenn ihr Ziel nicht da ist/ so muß sie ihrem Bekenntnis zu folge weder Hunger noch Durst roden können; ist es aber da/ so müssen sie mit vollem Magen zu Grabe ge­hen. Doch vielleicht ist keine ernstliche Widerlegung nörhig; vielleicht resolvieret sich die ganze Zieldispüte in den Unterscheid zwischen dem Übeln iöeschmack der Arzney und dem angenehmen der Speise und de« Trankes.

So viel von dieser ungegründeten Meinung; wir kommen an eine andre, die/ wenn sie recht ve,standen wird, der Wahrheit zwar gemäß/ aber nicht gänzlich hinreichend ist. Man behauptet nämlich / der Mensch könne sein Ziel zwar verkürtzen/ aber nicht verlängern / und dieser Satz muß folgender Gestalt verstanden werden. Das Lebensziel der Menschen wird eingetheilt in den allgemeinen und in den besonn der» Termin. Jener i|l die Zeit/ die allen Menschen in einem gewissen Weltalter von GOtt zugestanden wird; die Zeit / die die Maschine des menschlichen Leibes ih­rem Bau/ ihrer Nahrung und übrigen Umständen nach/ wenn sie nicht verletzet wird/ lauffen kann. Wie alles/ was unter der Sonnen ist/ vergänglich ist und nach einer gewissen Dauer endlich untauglich wird; also har der Lech des Menschen auch feine Zeit/ an deren Ende er abgenutzt und nicht mehr tüchtig ist/ der Seelen zum Wohnhause zu dienen. Diese ist der allgemeine Terinin und ist heut zu Tage viel kürzer/ als ehe- dem. Denn vor derSündflulh lebten die Leute ungleich länger/ z. E- rNathusirlah brachte seine Jahre bis auf 56? heut zu Tage aber ist es ein Wunder/ wenn jemand das iz$tc erreichet. Also könnte man den Termin vor der Sundfiurh olmgefähr auf 1000. und zu unfern Zeiten ohngefehr aus 140. Jahre setzen. Dieses allgemeine Ziel muß kein Mensch übersteigen und verlängern können / weil er sonst die Ki asr haben müsie/ sich selbst zu erhalten/ die GOtt allein zukommt. Dieser conserviret alles und zwar/ so lange ohne Wunderthar geschiehet / durch Vermittelung derer Dingen/

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