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0 Gresser Wochen-Blatt^ Nam. XXXVII.

lch vorzutragen. Am Ende wird sich zeigen / daß eine solche Urberlegung zum Nutzen im Leben anqewendet werden kann. , , , ,

Der gemeinen Erzählung nach sollen die Türken glauben / ein unw>dertrnb< liefet Verhängniß habe einem jeden Menschen den Augenblick semeS Endes dermaßen festgesetzt/ daß er darin unumgänglich sterben müsse/ mögen Ursachen des Todes vorhanden ftyn oder nicht/ und baß er vorher nicht uirkommen könne/ in was für ei­ne Gefahr er sich immermehr begäbe. Sie sollen deswegen höchst verwegen seyn und , E von dem -Orte/ wo die Pestilenz regieret/ sich sticht hinweg begeben/ auch so aar 'die Kleider eines an solcher Krankheit verstorbenen ohne Scheu anziehen; ihre Tapferkeit im Kriege soll ebenmäßig auf diesem Grunde beruhen. Daß die ganze Er­zählung ihre Richtigkeit habe/ getrauen wir uns aus der Ursache nicht zu behaupten/ weil wir wider die gemeine Gewohnheit nicht geneigt sind den Menschen mehr Thor- heit aufzubürden/ als wir an ihnen deutlich gewahr werden. Unterdessen aber hekräf« rigen diejenige unter ihnen/ die auf erzählte Weise keine Gefahr scheuen / ziemlicher Massen die Vermutung/ daß Die Historie wahr sey. Denn soll und muß ich l)eutc sterben/ so ist es einerlei)/ ob ich das Hembd eines an der Pest verschiedenen anziehe oder nicht; ich sterbe einmal/ wie das andre mal. Ist aber heute mein fataler und unbe­weglich verhängter Tag noch nicht da / so kann ich nicht sterben / auch aus eben dem Grunde nicht einmal Schaden nehmen; deswegen wage ich alsdenn alles; ich gebe nicht aus dem Hause/ ob es mir über r>em Kopfe zusammensällt; ich gehe m yag Feuer Feindes/ ov es gleich noch so sehr wu«r: weil ich «taube daß ich vor stbo fest bin und von nichts getödet werden kann. Diese Meinung ist/ wie auch be» reils im Anfang erinnert worden/ ein Theil von einemgrösserm System/ das alle Begebenheiten und daher auch den Tod einer gewissen Nothwendigkeit unterwirft/ die unter dem Namen Fatum bekannt ist.

Es scheinet unnöthig diese albere Einbildung zu widerlegen. Denn daß et­was dermaßen unbedingt verhängt seyn soll / daß es geschehen muß/ eS mag eine Ur- fache davon vorhanden seyn oder nicht/ ist so handgreiflich wider den in aller Meu­chen Herz geschriebenen Grundsatz: ein jedes Ding muß seine Ursache haben/ daß blos ein zu gar keinen Begriffen aufgelegter Kopf dieselbe bey sich einwurzeln lassen kann. Allerdings hätten die Verfechter dieser Ungereimtheit nicht dem Tod ohne Ur­sache / sondern diese sowohl als jenen dem Fato unterwerfen sollen. Denn als ehedem ein mit stoischen Sätzen erfüllter und wegen Diebstal zum Galgen verdammter Knecht sich damit entschuldigen wollte: Es sey ein Verhängnis gewesen / daß er stehlen müssen; gab ihm sein Herr ganz wohlbedacht zur Antwort: Go ist denn auch ein Verhängnis/ daß du hangen must. Sehr glaublich ists / daß der türkische Einfall zu dem Ende erdacht und zu erst den Soldaten / welche ihn nachge- bends weiter ausgebracht/ überredet worden/ dälyis sie desto beherzter seyn und dem Leinde nie den Rücken biethensoveh

* Sa