Ausgabe 
14.7.1750
 
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Dienstag den r^en Jul. i7fo/ r ,

ihn alsbald und thut ihn sogleich in die Kanne/ schüttet heisses Wasser barauf/ halt dasselbe ein wenig in der Warme doch so/ daß es nicht siede/ und so genießt man ihn. Man muß fteylich auf diese Weise mehr Caffee auf ein Maaß nehmen als sonst/ aber er ist auch desto besser und/ obwohl nicht dick und zähe/ doch stärker und dem Leibe vorträglicher.

Hiervon kann man vernünftig urtheilen / wenn man weis, woraus dcr Caffee bestehet/ und was sich von ihm im Wasser auflöset. Er enthält aber erstlich erdichte Theile und zweytens harjichte / welche beyde sich im Wasser nicht auflösen / also auch von Niemand genossen werden/ alS welcher den Satz zu essen Lust hat. Drittens aber bestehet er auö einem Gummi und viertens aus einem sehr flüchtigen und feinen Oele. Das letzte ist daS beste / gehet aber mehrentheils verlohren/ wenn der Caffee zu hart ge­brannt wird/ oder zu lange liegen bleibt/ wenn er gebrannt ist. Kocht man ihn stark/ so ver- stiegt auch daS mer|te -Oel und man trinkt alsdenn das übrige Gummiwasser. Unser kaum vorgeschlagenes Recept lehrt also den Caffee so zu brennen/ das man das wenig­ste Oel verliehret/ durch das Mandelöl das übrige nicht entwischen läßt / nnd endlich im Kochen wenig Gummi und fast nur lauter Oel aufiöset. Nach der gemeinen Art aber verfliegt daS Oel und man trinkt den lautern Gummi / so wie dieses noch mehr geschieht/ wenn man den schon einmal abgetrunkenen Satz noch einmal auflocht.

Der Caffee hat seine Patronen und seine Feinde. Jene machen ihn zu einer Panacee / die vor alles gutseyn soll; diese machen ihn zu einem Gift / und würden/ wenn sie könnten / alle Bäume desselben auf dem Erdboden vertilgen. Wer hat wohl recht ? Die allgemeine Antwort ist/ wie allemal in dergleichen Fällen: alle beyde und keiner von beyden. Denri dem einen ist er eine Arzeney / dem andern ein Gift; zu welcher Classe aber einjeber gehöre/ kann ihn die Aufmerksamkeit auf sich selbst am be­sten lehren. Damit man aber auch regelmässig spreche/ so kann man folgends mer­ken. Der Caffee / aber nicht eigentlich er selbst/ sondern das Wasser/ worin er ge­kocht wird, macht daS Blut dünne/ und seine Warme befördert die zur Gesundheit höchst nölhige Ausdünstung. Zu beyden trägt sein flüchtiges Oel bei). W nn er zu häuffig getrunken wird / macht er / wie alles warme Wasser die Fasern des Magens und der Eingeweiden schlaff / und bringet den in der übertriebenen Ausdünstung be­stehenden und der Natur nur in besondem Fällen nützlichen sonst aber nachtheiligen Schweiß hervor/ aus welchem / wenn man zur Unzeit ,n die Luft kommt/ wie bekannt/ viele Beschwerlichkeiten entstehen. Die/wiewohl vom Wasser nicht aufgelösete/ doch im Caffee schwimmende in dische Theile verzehren die im Magen befindliche Säure und ver­treiben also den von ihr herrührenden Hunger/ aber hindern also auch die Verdauung. Daher ists nicht rathfatn gleich nach TischeCaffee zu trinken/ äusser wenn man etwas Kopfweh nach der Mahlzeit empfindet/ welches von der durch das in die innere Thei­le getrettene Geblüth gehemmten Ausdünstung entstehet/ und folglich durch das beschrie­bene Getränk gehoben wird. Der Caffee verstärket / besonders bei) vollblütigen Per­sonen / bei Puls > schwächet durch die Wärme des Wassers den Magen / erzeuget e 2 alss