• Dr'ettst.rg den r4 April. lyfo.
Die hart an diesem Hebel darnieder liegen/ werden davon alle Tage und ohne Unterlaß geplaget; doch merket man bey einigen an/ daß es ihnen im Winter ärger / als in den übrigen Iahrszeiten zusehet/ da man spatzieren fahren/ reiten/ gehen und sonst andre Lustbarkeiten anstelle kann. Bey andern/ die etwas gelinder damit behaftet find/ stellet es sich gcmeiniZlich über den siebenden Tag ein. Denn nach unsrer Einrichtung ist ein Tag in der Woche/ da man aüe Arbeit bey Seit setzen darf/ und das Recht hat zu ruhen. Geht man Denn aus/ so kommt man in eine grosse Gesellschafft/ wo man nicht mit sprechen darf/ und muß manchmal Reden an# hören/ deren Innhast gar nicht nach dem zarten Geschmacke der heutigenpoliten Welt ist. Bleibet man zu Hause/ so soll man in einem alten Buche lesen/ das man in seiner Kindheit von vornen an bis hinten hinaus/ auswendig gewußt zu haben meint Da stehen denn solchen Leuten diese Beschäftigungen nicht an/ und darüber verfallen sie in die lange Weile / die wenigstens bis gegen vier Uhr Nachmittags anhält/ Da man sie bey guten Freunden mit einem Schälgen Lasse/ einem Glaswein oder einem Kartenspiel vertreibet. Dann und wann / wie z. E. im Anfänge des verflossenen Winters und jetzo vor ein paar Wochen geschehen/ dauret das Hebel bey dieser letztem Art Menschen drey ganze Tane hinter einander/ doch so / daß es den ersten am heftigsten wütet. Wann unsre Muthmaßungen uns nicht betriegen/ so wird eben dgS bald wieder geschehen vier Tage / ehe Die Sonne in die Zwillinge tritt.
ES ist vornehmlich sehr merkwürdig/ daß das Gift dieser Krankheit gar leicht anstecket. Dem Verfasser sind selbst viele Personen / darunter die meisten von vorzüglichem Herkommen sind/ bekannt/ die anfänglich nichts davon an sich/ von ihren Aeltern auch nichts ererbt hatten: Sie kamen aber in angesteckte Häuser/ und hatten es in wenig Tagen davon. Doch ist eS nicht zu läugnen / daß es manchmal in der Familie stecket/ und von Vater und Mutter auf Die Kinder fortgepflanzet wird- und in solchem Falle wäre unser wohlrneinender doch unmaßgeblicher Rath/ Daß grosse Herren Dergleichen Leuten eben so wie andern/ Die mit andern mehr oder weniger abscheulichen erblichen Krankheiten beladen sind/ das Heirathen verbiethen/ ihre Gelder nach ihrem Tode zu sich ziehen/ und Armen« oder Arbeitshäuser davor bauen lassen möchten / Damit nicht etwa mit Den Mitteln auch die Seuche an Die Erben käme
Die Ursachen und Den Ursprung dieser Plage haben wir zwar schon obenkürr- lich berühret; weil wir uns aber nunmehr auch um die Zeichen und Mittel wider dieselbe zu bekümmern haben/ die aus jenem am besten begriffen werden: so muffen wir noch einmal ein wenig umständlicher daran gedenken. Die Hauptursache bestehet in einem Mangel der Arbeit/ oder in einem Abscheu vor derselben. Der erste ohne Den letzten ist überaus selten. Denn wenn man gleich in einem solchen Stande lebet/ da man auf die Bestellung oder Den Befehl andrer warten muß; so kann man doch alle Augenblicke nützlich anwenden / wenn man nur Lust dazu hat. Der letztere aber/ der öfters den ersten gebiehret/ ist von der Art/ daß wenn jemand das geringste natürliche Geschicke oder Neigung dazu b^\sich fühlet/ er sich vor allen Gelegenheiten sorg-
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