Dienstag den roten Febr. i7fo.
vor ihm stehende Dinge abmalet. Wenn man nämlich diese- zu weit von jenem hält, und beyde in solcher Stellung fest macht/ darin das Bild wegen allzugroffer Entfernung unkenntlich und dunkel ist; so darf man nur nahe vor jenes GlaS ein wohlausgesuchtes hohlgrschliffenes verhalten um das gesuchte Gemälde bey unveränderter Stellung hell und lebhaft zu machen. Würde man statt des hohlen ein erhabenes genommen haben > so würbe das Gemälde noch viel dunkler worden seyn eben/ als hatte man das Papier noch weiter hinaus gerücket. Allein wenn man das Glas in einer zu kleinen Entfernung vor dem weissen Blatte befestiget, und dadurch abermals em undeutliches Bild erhalt; so kann man dasselbe dadurch deutlich machen/ wenn man ein schickliches erhabenes Glas aussucht und nahe vor jenes hakt. Ergriffe man statt des erhabenen nun ein hohles, so würde die 21b* fthuderung ebenso noch undeutlicher werden, als wenn man das Papier noch nä- her herbey beweget hätte. Da nun im Auge die crysialline Feuchtigkeit an der Stelle des Hauptglases in unsrem Versuche/ und das netzförmige Häutlein an der Stelle des Papiers stehet; so verstehet man die Ursache von der Schärfung deS Gesichts durch Gläfer-
Diejenigen welche stch beständig mit Betrachtung naherund kleiner Dingen beschäftigen, erhalten den CrystaU immer in einer grossen Weite von dem netzförmigen Hauklem. Daher wird diese weite Stellung endlich dem Auge natürlich und zu kezt unmöglich besagte Therle näher zusammen zu ziehen. Solche Leute verkehren also bas Gesicht in die Ferne. Eben so verliehren es andre in die Nahe, welche durch beständiges Schauen in die Weite den Crystall dergestalt gewöhne haben nahe bey dem Netze zu stehen, daß er sich nicht mehr weit davon hinweg ziehen lassen will. Wer folglich seine Augen nrcht verderben will, der muß nicht unaufhörlich nahe Sachen betrachten, auch nicht beständig weite; sondern er muß omwechseln- Wenn man ein zeitlang in einem Buche gelesen har, so muß man (irre Weile zum Fenster hinaus schauen , etwa ins freye Feld/ oder wo man sonst eine ziemliche Aussicht hat. Man thut auch mchr wohl/ wenn man z. E. m Buchern / die mit allzu zarter Schrift gedruckt sind, liefet/ oder andre gar zu zarte Dinge lange scharf ansiehet, oder bey der Demmerung und anderem geringem Lichte genau zu sehen sich angreiffet; weil man in solchen Umständen die Sachen gar nahe halten muß. Insbesondre müssen sich diejenigen/ welche sich auf Wissenschaften legen, und also vor anderen der Gefahr unterworfen sind, das Gesicht in die Ferne zu verliehren , angelegen seyn lassen, daß sie die Augen nicht zu nahe an die Bücher oderdas, was sieschrewen, bringen; |o..bern dieselbe so weit davon halten, als sie immer können. Leitern haben deswegen vornehmlich auf ihre Kinder acht zu geben ► denn in der zarten Jugend kann man sich leichter verderben, als bey späteren Jahren.
Wenn der Fehler einmal vorhanden und die Besserung ohne Hülfe des Arztes noch möglich ist; so kann man ihn folgender Gestalt wiederum gut machen.
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