44 Giesser Woche»-Blatt / Num. VI.
Rapier vorstellet, verändern muß, wenn man nahe und weite Sachen deutlich f* feen soll. DEus lasset sich die Ursache begreiffen, warum einige Leute gut in die Kerne, und nicht gut in die Näher andre gut in die Näl-e, schlecht in die Ferne sehen. Denn deren crystalline Feuchtigkeit nicht platt genug werden , oder nicht «ahe genug zu dem netzförmigen Häutlein beweget werden kann , in deren Augen wird das Bildlein ferner Dingen nicht deutlich auf besagtem Häutlein ausgedrucket, eben so wie die Gemälden der Sachen auf dem Papier nicht lebhaft erscheinen, wenn man dieses weiter von dem Glase halt, als sich gebühret. Aus dieser Ursa- che sammt der angeführten Probe ist auch zu verstehen, warum einer schlechter, als der andre in die Ferne siebet. Hingegen erhellet zugleich, daß der Grund, warum einige nicht wohl in die Nähe sehen, darin lieget, weil der Crystall entweder nicht erhaben genug, oder von dem Netzhäutlein nicht genug zurück gezogen werden kann. Denn auch m diesem Fall werden Die Sachen unkenntlich auf einem weissen Blatte abgeschüdert, wenn man dieses näher an das Glas bringet, als erfordert wird. Fo'glich um ein in allen Fällen gutes Auge zu haben , muß die oftberührte Feuchtigkeit leicht zu bew gen, oder ihre Gestalt leicht zu verändern seyn.
Weil die lezte Art der Augen viel seltner ist, Äs die beyden ersten : so ist die Erfindung der Gläser und ihrer Zubereitung von ungemeinem Nutzen. Denn, wie jeder m an aus der Erfahrung weis, so kann man durch diese den Mängeln der Augen , die zum sehen nicht gänzlich ungeschickt sind, so weit zu Hülfe kommen, daß man, so lang man sich des Glases bedienet, eben so gut mit fernem schlechten tz),sichte, als em andrer mit dem besten, siehet. Insbesondre bedienen sich diejenigen die die fei ne Sachen nicht wohl erkennen, eines entweder auf beyden treuen bohlen, oder eines auf einer Seite hohl-auf der andern gradgeschliffenen Glases» durch weiches andre, die entweder gut in die Weite oder überhauptgut sehen, ent* weder gar nichtsunterscheiden, oder wenigstens viel undeutlicher sehen, als mir dm blossen Augen. Die hingegen kein nches Gesichte haben , brauchen ein auf einer eher auf beyden Seiten erhabenes Glas, wenn sie z. E. in einem Buche lesen wollen ; welches bey den mit dem entgegengesetzten Fehler behafteten Augen gleichfa s widrige Würkung hat. Man hat nach und nach befunden, daß es nicht nur be* «uemlicher, sondern auch dem Gesichte vortheilhaftiger sey, zwey Glaser in Gestalt t),.. übstchen Brillen zusammen zusetzen , damit beyoe Augen zugleich dadurch sehe» können; und auf diese Weise sind Denn sowohl Die gemeine, als die Fernbrillen entstanden, Deren jene Den in die Nähe stumpfen, diese Den in Die gerne blöden Augen kffer als Die einzelen Gläser zu statten kommen. ä k ,
Um zu begreiffen, wie nicht allein das schwache Gesicht durch solche Glaser auf ein zeitlang geschärfet, sondern auch das mit dem Fehler, wovor sie Die* Ln, nicht briadenegehindert werde, betrachte man Die bisher jum Grunde gelegte Erfahrung, die mit dem Glase angestellel wird, dasauf einem weissen Papiere die


