Drensiagl den roeen Febr. 171*0, <y
len nützlichen Beweis davon, daß sehr zarte, schwache und zerbrechliche Dinge öfters unüberwindliche Kräfte besitzen, ziehen. Doch weil wir jetzt nicht zur Absicht haben, die Schwäche der Netzen zu zeigen, woinit sich so viele fangen und ftsse!» lassen; so bemerken wir statt dessen, daß in der Milte der Farbenhaut em rundes Loch, welches wegen dem dahinter befindlichen dunklen Raume ganz schwarz schei» net, gesehen werde. Dieses Loch oder der Stern dienet dazu, damit nicht zu viel und nicht zu wenig Licht in das Auge falle. Denn zu viel blendet, und zu wenig macht unkenntlich; beydes hindert das Gesicht. Weil aber das Licht nicht allezeit gleich; sondern beym Hellen Mittage oder bei) vielen augcsteckten Kerzen viel stärker ist, als gegen Aberid oder in der Demmerung ; so hat der allweise Schöpfer die Farbenhaut dergestalt zubereitet, daß ihre -Oefnung oder der Stern nachErfordern grösser und kleiner wird. Man kann dieses sehr deutlich sehen , wenn man sich hey Hellem Wetter vor einen zwischen zween Fenstern Hangenden Spiegel stellet und, nachdem man die Grösse des Sterns wohl bemerket, die beyden Hände so an die beyden Schläfe leget, daß die Äugen davon beschattet werden. Dann slsdenn wird man wahrnehmen, daß der Stern sich zusammenziehet und, so bald man die Hände wiederum hinweg thut, seine vorige Grösse wiederum erhält. Wer demnach eine Zeitlang im Finstern gesessen hat, daß sich der Stern weit geöfnet, und kommt auf einmal zu dem Lichte, dessen Stern kann sich nicht schnell genug enger zu sammen ziehen, daher fallen zu viel Strahlen in das Auge, und stossen folglich zu heftig auf das Netz, daß er dadurch nicht allein geblendet wird , sondern auch einigen geringen Schmerz empsindet. Die sehr lange in einem dunklen Ge« fangniß lagen , fühlen eben dieses aber, wie leicht zu vermuthen, viel stärker un- länger.
Wenn wir den Versuch, dessen wir im Anfänge gedacht, mit dem Glase anstellen; so zeiget sich, daß man das Papier, worauf die Gestalten der gegenüber stehenden Dingen abgebildet werden sollen, nicht allezeit in einerley Entfernung von eben demselben Glase halten muß. Daher ist nöthig, daß die crystalline Feuchtigkeit im Auge sich dem netzfönuigen Haarlem mehr und weniger nähern könne, damit, wenn man z. E. in einem nahe liegenden Bliche lesen soll, jene von diesem weiter, als wenn man einen etliche hundert Schritte von uns gehenden Mannern kennen soll, und überhaupt in allen Fällen so weit entfernet sey, daß das Gemalt de einer jeden Sache auf dem Netze klar und deutlich werde- Doch kann eben diese Würkung auch dadurch erhalten werden, daß die crystalline Feuchtigkeit platter und erhabener wird; erhabner nämlich, wenn man in die Nähe, und platter, wenn man in die Ferne siehet. Denn die Erfahrung lehret, daß die Bilder desto näher hinter einem jeden Glase sind, je erhabner dasselbe ist. Welche von beyden Erklärungen die rechte sey, können wir eigentlich nicht sagen; denn die Gelehrten haben sich noch nicht deswegen vereiniget. Uns ist vor diesesmal nicht viel daran gelegen, und wir haben genug daran, daß derjenige Theil im Auge, der Vie Stelle des Glaser vertritt/ entweder seine Gestalt, oder seine Entfernung von dem andern, der das
F r Papier


