Ausgabe 
10.2.1750
 
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< Gftsier Wdchm-Blatt/ dlum. VI.

des Gesichtes auf eine solche Weise zu beschreiben uns angelegen seyn lassen, baß nicht nur dessen Beschaffenheit ohne Mühe erkannt, sondern auch das Erkenntniß sowohl die unendliche Weisheit des Schöpfers vernünftig 6u bewundern, als daö, was Nachtheii bringen kann, sorgfältig zu vermeiden angewendet werden kann.

Wir betrachten demnach zuvordech die zwei) hauptsächlichsten Theile des Auges. Der erste ist eine sehr dichte und den festen Cörpem nahe kommende durchsichtige Feuchtigkeit, welche rund und auf beyden Seiten erhaben ist. Sie wird die crystaUine Feuchtigkeit genennct, und kann mit nichts besser vergli- et en werden, als mit einem etwas grossen Vergrösserungsglas, daS auf beydm Seiten erhaben geschliffen in. Der andre ist ein überaus zartes aus den allerfein­sten Nervenfasern gewognes Häutlein , welches den Namen der netzförmigen Haur fahret. Jene sinder ihren Platz beynahe in der Mitte der Höhle des Au­ges, und diese Überzieher die Hintere Wand derselben. Die Strahlen, welche von den au,fern Dingen ausfahren , gehen durch die crystalime Feuchtigkeit durch und malen auf der netzförmigen Haut die Bilder der Sachen klar und deutlich, aber sehr klein ab; so daß man sich dieses alles aufdas natürlichste vorstellen kann, wenn man ein Vergrösserungs-Brenn-oder Brillenglas gegen das Fenster kehret und dahinter in einer Weite, die man durch Versuchen bald findet, ein weisses Papier hält. Dann alsdenn stehet man auf dem Blatte ein durch das Glas nett abgemal­tes Bildlein des Fensters, welches desto schöner und Heller erscheinet^ je dunkler der Ort um dasselbe herum ist.

Dieser Vottheil ist auch von der Natur nicht versäumet worden. Denn das menschliche Auge welches blos vornen mit einer durchsichtigen, sonst aber rings herum mit einer undurchsichtigen Haut umgeben, ist inwendig schwarz, damit der innere Raum recht finster sey , und daher daS Bildlein auf der netzförmigem Haut an feiner Lebhaftigkeit keinen Abgang leide.

Die crystalline Feuchtigkeit wird in ihrer gebührenden Entfernung von des netzförmigen Haut durch eine andre eurer ziemlich fteiffen Stärke gleichende Feuch­tigkeit, welche die glaferne heisset, erhalten ; und der vordre Raum des Auges zwischen der crystalluien Feuchtigkeit und der durchsichtigen, der Aehrmchkeit hast er fo genannten, Hornhaut wird von der wässengeir Feuchtigkeit erfüllet. Diese festere ft sehr fiüßlg, und Dringet, wenn das Auge verletzet wild, gelchwiud zur Wunde heraus.

Hmter der Hornhaut befindet sich noch eine andre sehr zarte und bey ver­schiedenen Menschen mit verschiedener Farbe gezierte, welche daher dre Farben* haur genennet wird. Sie ifts, welche dem Auge das schönste Ansehen giebt, und von ihr sind die: Benennungen der schwarzen, braunen, blauen u. s. w. Augen herg^nommen. Wann mau sie abgesondert und alleine steht, fo trauet man ihr die Kraft, die Herzen zu ziehen und zu überwinden, welche sie vermöge der Erfah­rung hat , nicht zu. 9?^n kann also aus ihrer Betrachtung einen in andern Fak-