jjo Gresser Wochenblatt/ Num. XL1X.
gtnt) allein zu lieben! Die Grmuthsbewegungen verliehren dabe» nichts/ sondern durch deren Lesung werden sie nur verbessert. Sie allein bringet diselben in -Ordnung/ ohne daß ihrer Lebhaftigkeit dadurch etwas entzogen wird. Sie zeiget dem Ehrbegierigen/ wie er der wahren Eore nachfolgen/ dem Geizigen / wie er die Schätze dec Weisheit erwerben/ und dem Wollüstigen/ wie er zum Besitze des höchsten Gutes gelangen soll.
Durch sie lernst man allein/ sich vor nichts/ als vor der Unterlassung seiner Pflichten/ zu fürchten/ nur eifersüchtig zu seyn/ dieselben zu erfüllen/ das Schicksal tugendhafter Leuten nur zu beneiden/ sich Über nichts / als Über das Laster zu erzürnen/ durch boshafte Thaten nur beunruhiget zu werden / nur Über das Müßiggchcn verdrießlich zu ftyn/ und sich über nichts/ als über den Verlust der wahren Güter zu betrüben. Mit einem Worte das aufmerksame Lesen der Sittenlchre macht / baß alles dasjenige/ was uns vernnehlen uud unser Verderben stiften konnte/ unsirn Ruhm und unser Bestes zu befördern be»)trägt/ und verhilft uns zu den Eigenschaften eines rechtschaffenen Mannes / die uns so viele Hochachtung be» jederman zu we- ge bringen.
Diese Beschäftigung erfordert weder eine allzugrosse Anstrengung deS Ge- müths / noch eine sehr starke Gesurrdheit. Man ist dabey nicht gezwungen / den Wohlstand zu beobachten. Man leget daS allerbeste Buch bey Seite / wenn man will/ und nimmt es wieder zur Hand/ wenn man Lust hat/ des Vergnügens/ das es uns verschaffen kann/ zu geniessen. Man sänget an und höret auf/ sich mit ihm zu unterreden / wenn es uns gefallt. Es trägt die Sachen auf eine deutliche / richtige und zierliche Art vor/ und es fällt ihm niemals schwer / die Wörter zu finden/ um einen Gedanken auszudrücken. Sonst aber sind alle andere Sachen beschwerlich/ die leeren Gespräche im gemeinen Umgangs/ die Cercmomen bei) dem Besuche/ die Höflichkeitsbezeugungen in den Gesellschaften/ und die vielen Umstände bei) den Schauspielen; alle diese Sachen/ sage ich/ sind beschwerlich. Auch der Wohlstand/wel* chen die Ehrbarkeit billiget/ und den man / so bald man sich nur aus dem Hause be- giebt/ nicht bei» Seite setzen darf/ ist verdrießlich und gereicht uns zur Last.
Gewiß ein Liebhaber der Wissenschaften ist in seinem Vergnügen an nichts gebunden/ weder an den Eigensinn eines Freundes/ der einen Augcnblick mit ihm zu reden ausschläget / noch an den wunderlichen Sinn eines Weltweisen / der sich ganz cingezoaen hält/ noch an die verdrießliche Weise eines Gelehrten/ der sich nicht gern sehen läßt. Die Einsamkeit kömmt ihn weder erschrecklich noch gefährlich vor. Ueber- flil findet er Poeten die ihn bclnstigen/ bernünftiße Männer/ die ihn lehren/ und Gottesfürchtige Leute / die ihn ei bauen.
Esist über das ein Vergnügen für ein jedes Geschlecht / ein jedes Alter und und einen siden Stand. Wem ist es unbekannt/ wie die einfältigen Landlcute/ als sie ihre Begebenbeiten noch in die Rinde der Bäume gruben/ sich damit beschäftigten/ wie die berühmtesten Eroberer nur in der Gemeinschaft mit den Musin ihr Leb. n ge- endiget/


