388 Gl'esicrw-chm-Blatzt/ Nurn. XLIX.
die Huld ein.’S P>inzen von seinem Vater erbet. Könige von einem gesetzten Gemü- the erhalten ihre Lieblinge aufs be|ie/ wenn sie ihre rechte Grosse erreicht haben-, die von einem hitzigen aber wechseln dieselben mit eben derselben Gleichgültigkeit/ ivo mit sie ihre Kleider andern. Diejenige Favorken bleiben am längsten / auf welche die Slralen der Gunst nicht senkrecht/ sondern schief auffallm.
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Der Unigang mit aufrichtigen Freunden und das Lesen in nützlichen undan- genehmen Büchern dienen beyde und vielleicht in nicht sehr ungleichem Maaft zu um fern, Vortheil und Vergnügen. Daher schicket sich zu der beschlossenen Abhandlung von der Freundschaft folgende vom Lesen. Wir waren in Begriff unsere eigene Ge- daken davon aufzusetzen. Da uns aber im Anfänge der Aibeit beysiel/ daß in denen letzten Briefen der Amufemcns de 1’ amitie eben dieser Vorwurf ausgeführct worden/ und wir beym Nachschlagen denselben vor so schön befunden/ daß unsere Gedanken die darinnen enthaltenen nicht übertreffen können/ so siel unser Entschluß dahin aus/ denselben allhier in der Ueberfttzung mitzutheilen.
Ich vernehme mit Vergnügcii/ daß sie sich jetzo nur mit Lesen beschäftigen- Es wundert mich aber/ daß ungeachtet sie einen so grossen Gefallen daran finden/ und ungeachtet es ihnen eine so lange Abwesenheit von der Start und bre Einsamkeit verträglich macht / sie gleichwohl noch fragen/ ob ein vernünftiger Mann überhaupt ein Belieben an dieser Beschäftigung haben kann.
Ja ich bin der Meinung und weis keine/ welche sich besser vor ihn schicket/ und ihn mehr vergnüget. Ich beweise dieses / wie sie es verlangen. Man muß sich hier den Menschen als ftey von Leidenschaften vorstellen/ urld ihn nur so betrachten/ daß/ da er die übrigen Geschöpft an Verstand weit übertrift/ er auch bierinnen allein die Quelle des wahren Vergnügens finden könne. Und wo wurde er sonst ein reine« und beständiges antrcffen ? Es kommt also auf unö an / wenn wir der feinsten und empfindlichsten Lust geniessen wollen/ daß uns nichts/ als was das @einüfb ermuntern kann, rühre/ daß wir nur mit den Augen des Verstandes sehen/ und das Herz nm von den Ergötzlichkeiten/ die er verursacht/ einnehmen lassen. Diese Vortheile aber kann man sich durch das Lesen guter Bücher allein verschaffen.
Das Gemürh/ welches auf eine ganz andere Art beschäftiget wird/ kann weder seine Annehmlichkeit/ noch seine Zufi iedenhcit zu erkennen geben. Vieler Umgang mit Leuten zerstreuet es/ die groben Belustigungen machen es träg/ die Ehrbegierde beunruhiget es/ die Wollust und der Müßiggang entkräftet es. Mit einem Worte fast in allen anderen Beschäftigungen vcrliehret es die glückselige Ruhe/ ohne welche in ihm nichts als Unordnung und Verwirrung ist. Es muß demnach eine Verände- rung haben/ welche ihm nichts von seiner Kraft benimmt/ wobei) es feine Gedanken allezeit beysamrnen hat/ und sich nichts desloweniger in die ganze Weltausdreiten/ alle Zeiten durchgehen und die Begebenheitendeiseiben untersuchen kann. Und indem es sich durch das Lesen so übet/ beschäftiget cs uns Allein auf eine so angenehme Weift.
Die


