Dienstag den 8ten Decembr. i7fo. HT
gnupen; weil sie immer mehr wachst/ je länger sie dauret; und der sicherste Schatz/ weil sie keine gewaltthätige Hand zu fürchten hat/ äusser die des Todes.
Die Mittheilung der Geheimnisse ist eine von den grösten Früchten derselben; Doch müssen sie nicht mir Gewalt in den Busen des andern geschüttet/ sondern gleichsam tropfenweise hinein gebracht werden. Wenn man die Brüste allzuheftig drü-- cket/ so geben sie eine verschwome Materie an statt der Milch.
Ein andrer unter den vornehmsten Vortheilen ist die Warnung/ sie wird aber besser mitThranen gethqn/ als mit Galle; und/ wannsi möglich ist/ aus den vorhergehenden Reden und den eigenen Maximen deö andern; denn was heißt das anders als den Diamant mit seinem eigenen Staube schleissen.
Der war gar zu vorsichtig/der da befahl: fic ama tanquam ofurus, liebe so/ als wollte,! du mit der Zeit hassn. Diejenige zwei) sehen sich einander niemals voll- kommen / zwischen welchen der Argwohn und das Miötrauen einen Nebel setzet. D>e Gralicu werden nackend gemalet/ und vernünftige Leute freuen sich denselben zur Seiten zu liegen, als Herzensfreunde. Die andre Hclste ist sehr christlich: odi ran- qjam amatnrus, hasse/ als wolltest du lieben. Doch der/ welcher gediethet/ k.ine Galle im Herzen zu haben / e laubet die Waffen um sich zu ivehrcn-, und derjenige/ der uns befahl die Sonne uicht ub.t unferm Zorn untergeben zu lassen / befahl nicht/ daß wir den andern Morgen einem betrügerischen Feinde wieder trauen sollen.
Die Freundschaft kriecht nach und nach zu einen hohen Grade/ sie lauft nicht dazu; sondern wenn sie schnell lauft/ so kömmt sie aus dein Athen. Lasse dich nrtfei» «em Ungerechten und Znrereßirten ein; denn ein solcher ist wie eine Made und Rau» pe/ welche das Herz und Mark auf frißt/ und dasselbe in die bitterste Feindschaft verwandelt. Wie die Liebe einen Vorzug des Menschen vor dem VieK ausmacht; so ist die unwandelbare Liebe ein Zeichen von einen beständigen hohen Geist / und von einem solchen/ der cs sich vor unanständig hält/ veränderlich zu sevn. Es schickt sich am besten vor die Leichtsinnigkeit der Kinder/ in einem Pulsschlage Freund und Feind zu se»n. Vernünftige Leute sind daher forgfältig/ wenn sie jemand zu einem Herzensfreund an- neh'nen. MecänaS Vorsichtigkeit gegen den Horatz war exemplarisch: nono revo- cas me demque menfe, * d. i. Nach neun Monathen lässest du mich wieder kommen. Wenn aber dergleichen Leute einmal mit jemanden ein Vündniß eingegangen haben/ so ist es unauflößlich/ die Historie bringt uns viele prächtige Exempel genauer Freundschaften vor; es ist nicht unbillig zu besorgen/ daß einige derselben zu viel Fabelhaftes in sich haben; denn die Seelen können sich zwar in der Thar gleichsam mit einander vermischen / aber ohne Zweifel können sie doch nicht gar in eine verwandelt werden. Die Günstlinge grosser Herren stchen auf einem unsichern Grunde. Wenige derselben stehen nicht zuweilen im Schatten/ oder sitzen in einem Duft/ wo nicht gar m einem Ungewirter. Es ist eben so etwas seltenes/ wenn jemand meinem hoben Grade der Gnade bev zweyen nach einander regierenden Königen stehet, als wann ein Sobir ___ _________Ccc z Die
♦ Lib. 1. Sat. 6.


