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r8r Giesser Wochen--Blatt/ Num. xxxvi.

Bücher und eigenem Nachdenken bat/ in welcbemletztern er gleichwohl vor alberm Grü­ble» über Dinge/ die sich nicht practicirekr lassen / sich ju hüten utfnitineb Sollten wir so glücklich seyn/ durch diesen Bogen einige zur Erfüllung ihrerWicht gegen ihre Kin- der und Lehrlinge aufzumuntern und eineBegierde nach weitermUnterricht zu erwecken/ so haben wir unsre Absicht soweit erreicht/ als vor dieses mal möglich ist. Wer sich Fenelons und Lockens Schriften von dieser Materie anschaffet / wird sich daraus weiter erbauen können.

Die Kunst die Jugend zu erziehen ist eine Wissenschaft/ zu machen/ daß aus Kindern rechtschaffene Menschen / gute Bürger und fromme Christen werden. Wir wollen von jedem nur das nöthigsto sagen.

Daß man auf den Leib der Kinder acht haben und Sorge tragen muß / daß sie gerade und brauchbare Glieder behalten / verstehet sich von sich selbst / und daran lasset man es auch gemeiniglich nicht ermangeln. So nüthig aber als jenes ist / eben so nöthig ist auch dieses / daß man ja die Kinder an keine Zärtlichkeit / von was für einer Art sie seyn möge / gewöhne. Man schadet ihnen damit gar vielfältig. Man macht ihren Cörper schwach und jetzt ihn in den Stand/ daß er nichts vertragen kann. Bestehet die Zärtlichkeit im Essen/ so gewöhnet man sie ferner dadurch sich weiter zu strecken / als ihre Decke inskünftige reichen möchte uud was dergleichen mehr ist. Man gebe ihnen demnach zu essen / was menschliche Kost und gesund ist ; man lasse sie die freye Luft geniessen; man lerne sie Hitze und Frost ausstehen ; man übe sie mit einem Worte in allem/ was sie in Zukunft aushalten zu können nöthig haben mögen. Doch mit Verstand/ daß man wisse Maas und Ziel zu halten. Mehr von dem/ was den Cörper betritt/ zu reden / leidet der Raum nicht.

Bey der Seele der Kinder hat man sowohl auf den Verstand als den Wil­len zu sehen. Wir wollen im Anfänge von der Regierung beyder Kräften bey ganz zarten Kindern und alsdenn auch bey mehr erwachsenen reden.

Es ist ein schlimmes Vorurtheil/ daß man sich gemeiniglich einbildct / man müsse die Kinder bis in das siebende oder achte Jahr wie bas junge Vieh lausten las» sen/ weil sie in der Zeit noch keinen Unterricht anzunehmen fähig seyn sollen. Durch diese Nachläßigkeir geschiehet es/ daß sie verwildern/ die Begierde nach der Erkennt» niß verliehren und böse Sitten annehmen. lauter Dinge / die sehr gefährliche Folgen nach sich ziehen. Von rechtswegen muß ein guter und vernünftiger Unterricht so bald anfangen / als sich die Seelenkräften zu äussern beginnen. Ein vernünsligkr Unter» richt aber will hier so viel sagen : Man muß die Kinder nicht mit Gewalt / Strafen/ Drohungen u. d. g. in der zärtesten Jugend dazu zwingen / damit man ihnen keinen Verdruß vor allem Gutem zuziehe: sondern man muß sie zu der Zeit spielend leh­ren. Man muß sich ihre Neigung zu Nutze machen / und unter der Gestalt von al- lerley Verändrungen ihnen dasjenige beybringen/ was sie wissen sollen. Es ist der Mühe Werth hieben ein wenig stehen zu bleiben.

Soll man sich ihre Neigung zu Nutze machen / so muß man dieselbe zufor-

Perfi