xi® Giesser Wochm-Blätt!/ Num. XXVII.
kämen allerhand Sachen darin vor/ die sich weder zusammen reimten/ noch schickten; verschiedene tadeln saft ein jedes Stück ohne Ausnahme. Die munter geschriebene/ welche die gewöhnliche Thorheiten nach ihrer Gestalt darstellen/ werden Pasquillen/ die ernsthafte trocken oder metaphysisch; die theologischen und juristischen vcrdrieSiich genennet. Manche Leser machen gewisse Aufsätze herunter/ und verstehen sie nicht; wie dann/ um nur ein Beyspiel anzuführen / etliche die scharfsinnige Abhandlung von dem Kusse gar unrichtig beurtheilet haben/ indem sie geglaubet der tugendhafte So^ trat wäre in Ernst gescholten und widerlegt/ und die verliebten Küsse in der That gelobt und vcrtheidiget worden. Welch ein Geschmack! Mit diesem verhält es sich bey den meisten nicht besser als mit dem Willen vieler anderer / welche das Wochenblatt nicht lesen und es doch verachten. Vornemlich geschiehet dieses von Weibsleu- ten. Denselben zu gefallen hat man in der guten Meinung die ihnen so nöthigeBegriffe beyzubringen verschiedene Stücke verfertiget; Allein was Hilsts? Bey nicht wenigen gehet es/ wie bey jener Frau. Als dieselbe gefragt wurde / ob sie das Wochenblatt/ bas ihr Mann hielte/ nicht zumZeitvertreibe auch läse/ antwortete sie: Ich Habemir die Mühe noch nicht gegeben / äusser neulich/ da ich hörte/ daß der Caffee in lVer- sen gelobt worden/ ließ ich sie mir/ weil ich ihn gern trinke/ vorlesen. Deren / dis es ihres Anblicks würdigen/ ist eine unglaublich geringe Anzahl/ und es ist noch zweifelhaft, ob man ihnen den Namen der Leserinnen/ wofern man das Wort im rechten Verstände nimmt/ beylegen kann. Sind diese schon nicht im Stande das Lehrreiche im Wochenblatte recht zu verstehen; so haben sie doch die Fertigkeit/ wenn sie sich getroffen finden/darauf loßzuziehen und es verhaßt zu machen. Unter den Mannspersonen siebt es viele von eben der Art/ welche so wenig als jene leiden können / daß man als ein Tensor ihre Fehler bestrafet / und gleichsam als auf einer Schaubühne lächerlich vorstellet. AuS alle dem / welches ich ihnen hiemit als ein guter Freund melde/ werden sie sehen / wie wenige Ursache sie haben/ das Wochenblatt fortzusetzcn. Ich zum wenigsten rathe Ihnen ganz ernstlich / da dasselbe fast keinen Nutzen schäft/ daß Sie in dem folgenden halben Jahre keinen Bogen davon mehr drucken lassen. Folgen sie meinem wohlgemeinten Rath und glauben/ daß ich bin u.f.w.
Antwort.
Weil in vorstehendem Schreiben wohlmeinend gerathen wird/ das Wochenblatt mit dem ersten halben Jahre zu beschliessen/ und sehr viele vernünftige Gründe den von uns bey nahe gebilligten Vorschlag unterstützen; so hat man vor nöthig gehalten/ so wohl jenes selbst bey dem Anfänge der zweyten Helfte deS Jahrgangs eindrucken zu lassen / als auch nebst kurzen und brauchbaren Anmerkungen über die darin berührte widrige Urtheile verschiedener Leuten/ die Ursachen zu eröfnen/ derenthalben man entschlossen ist/ aller angeführten Gcgengründen ungeachtet wenigstens diese- halbe Jahr die angefangene Schrift noch fort zu setzen- DirfeS alles kann am leichte-


