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fi^tgTetf M Wahre zu erkennen/ sich nach ihren Meten/ die sie beherrschen/ richten nwsi/ lassen sich durch Hochmuth / Eigendünkel und Vorwitz antreiben / und«. gre>fliche Sachen zu ergründen/ und darüber in den Tag hinein zu urtheilen. Und/ indem sie auf solche Art ihr edelstes Vermögen misbrauchen; fö handeln sie unstreitig wider die Vernunft.
Wegen verschiedener Stellen in unserer deutschen Bibel / woraus einige be- weisen wollen/ daß die Vernunft schlimm sey / haben schon andre gezeiget/ daß da/ wo sie in der Uebersitzung in keinem guten Verstände verkommen/ der Sinn der Wörter in dem Grund» Texte einen andern deutschen Ausdruck erfordre / und dass unter dem griechischen Worte , welches eigentlich Vernunft heisset / immer et« was Gutes verstanden werde. So viel kann man auch von dem deutschen Worte nach seiner bestimmten Erklärung sagen/ wie aus dem bisher angeführten erhellet.
Eine fteye Ucbersetzung eines Briefes des Daval.
von dem Ursprünge der Vorurthcilcn aus Melange curieux. &c.
Der Mensch hat von dem Himmel ein Vermögen der Seele empfangen/ wodurch er sich von den Tdieren unterscheidet und sie übertrift. Brauchet er dasselbe nicht/ so machet er sich dessen unwürdig / und darf sich feines Vorzugs halber nicht rühmen. Was hilft ihn die Vernunft / damit er sich groß machet/ wann er seine Handlungen nicht so einrichtet/ wie es GOTT und die Natur von ihm erfordern/ und wofern er nichts desto weniger der Herrschaft hundert Leidenschaften unterworfen ist ? Hätte diese Vernunft / die ihm vorzüglich mitgetheilet worden/ die Gewalt über ihti/ daß sie ihn in seinem Lebenslaufe regierte; wie glücklich/ wie beneidungswürdig würde er n.d)t seyn ! Aber was nimmt man gemeiniglich bey ihm wahr ? Blindheit/ Jrrthum und eine lächerliche Einbildung. Er folget dem Scheine und den Begierden/, als treulosen und verführerischen Wegweisern. Indem er die wahre Beschaffenheit der' Dingen nicht einsiehct/ läßt er sich durch das geringste von dem rechten Wege abziehen/ und was ihm am meisten schaden kann/ dem hänget er am eifrigsten nach. Die Vernunft/ diese edle und göttliche Kraft/ welche ihn beherrschen sollte; diesen Stral/ der . von der höchsten Weisheit kömmt/ welcher die Finsterniß zerstreuen und ihn erleuchten sollte/ achtet er gering. Von seiner Kindheit an bis in das Alter und an sein Ende erhält er sich in Unwissenheit und Jrrthum/ und aus Furcht/ klar und deutlich zu sehen/ löschet er dieses Licht aus. Aber wo rühret es her/ daß er bey jeden, Schritte strauchelt/ immer fehlet und an statt der Wahrheit / die er von sich flösset/ «inen Gefallen am Blendwei ke der Sinnen und an faschen Einbildungen hat ? Ist nicht hauptsächlich die übele Auferziehung Schuld daran ? Man darf leyderl daran nicht zweifeln, Mit der Fähigkeit / die Wahrheit zu erkennen / kömmt der Mensch auf die Welt/ und die Vernunft ist ihm angebohren. Allein wie könnte er mit die- feui Vermögend^ Vosmlheilen/ womit er überhäufet wird/ widerstehen/ da seine
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