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©rabe an/ und schätzet sie darnach entweder schwächer oder stärker. Stellet man sich nun dieselben in der besten Waaße vor und setzet die vortreflichste menschliche Vernunft mit der g ältlichen in Vergleich/ so erkennet jene/ die gar vieles nicht ergründen kann/ ihre S<I) wache und -Ohnmacht in Betrachtung der allervollkommensten und unendlichen Vernunft/ die sich alle Wahrheiten auf einmal und auf das deutlichste vorstel- ler. In Absicht auf die gedachte Umstände ist nicht zu leugnen/ daß die Vernunft schwach genennet werden könne. Es gehet aber nicht an/ wenn man sie äusser derselben an sich und überhaupt betrachtet. In diesem Verstände / worin das Wort zu nehmeir ist/ kann ihr/ als einem Vermögen/ kein Unvermögen zugeschrieben werden. Und ob sie schon eingeschränkt ist/ und sich nicht weiter als auf gewisse Dinge/ die ihr begreiflich sind/ erstrecket; so mangelt ihr doch an der Macht/ die ihr in den Grenzen ihres Gebiethes eigenthümlich zu kömmt/ nichts. Beweiset sie dieselbe in der That und erkennet die Wahrheit; so kann man sie so wenig einer Schwache beschuldigen/ als einen/ der wirklich scharf siehet/ eines blöden Gesichtes.
Diejenigen welche behaupten wollen / wie Bayle unter anbei n in keiner guten Absicht gethan/ daß die Vernunft der Offenbarung zuwider scy/ setzen einander entgegen/ was nothwendig bcvsammen stehen muß. GOtt/ der dem Menschen die Vernunft verlieben/ hat ihm auch die Schrift gegeben. Diese würden wir ohne jene eben so wenig/ als die unvernünftige Thiere / verstehen. Durch die Vernunft aber sehen wir ein/ daß sie GOtles Wort sey / indem sie uns offenbaret/ was wir aus der Natur nicht erkennen können; indem sie die vortreflichste Sittenlehren unter allen in der Welt in sich enchält/ und uns den unfehlbarsten Weg zu unsrer zeitlichen und ewigen Glückseligkeit zeiget. Die Vernunft ist auch unentbehrlich/ um in der Schrift zu forschen/ und sie gründlich auszulegen/ und solchergestalt die göttliche Wahrheiten ton den im Schwange gehenden irrigen Meinungen / dem Aberglauben und den be* tsüglichen Lehren zu unterscheiden/und zu wissen/ welcher der GOtt wohlgefällige und vernünftige Gottesdienst sey. Was die Geheimnisse anlangt/ wesbalben die Vernunft vornemlich übel angeschrieben stehet; so siehet sie dieselben als Geheimnisse nicht ein/ und deren Beschaffenheit ist ihr / als einer eingeschränkten Vernunft verborgen. Darum aber kann man ihr nicht Schuld geben/ daß sie in ihnen einen Widerspruch finde und dieselben verwerfe. Da sie bündig schliessen muß / wann sie nicht aufhören soll zu seyn/ was sie ist > so fället sie kein solches Urtheil/ daß das/ was unbegreiflich ist/ widersprechend und ohne Grund sey. Ein vernünftiger hält viele Sachen/ die ihm in der Welt vorkommen / um deswillen nicht für widerstreitend und ungegründet/ weil er sie nicht fassen kann. Und eine durch die Offenbarung erleuchtete Vernunft kann dieses unmöglich in Ansehung der Geheimnissen: denn sie ist überzeuget/ daß dieselben / wie die Schrift/ihr en Grund in GOtt haben/ der grössere Dinge rhut/ als wir wissen und verstehen / und der sich nicht widersprechen kann. Deswegen nimmt sie dieselben als untrügliche göttliche Wahrheiten an / und so flieht sie sich willig unter dm Gehorsam des Glaubens gefangen. Mnschm hingegen/ deren ihre
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