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to6 Giesser Wochen-Blatt/ d^um. XIV.

fidx Vorstellung von dem Grunde der Sacher, sey. Haben wir diesen entdeckt/ so können wir daraus erklären / wie und warum etwas ist / oder verliehene waS es in der That für eine Bcwandlniß damit habe ? folglich erkennen wir die Wahrheit desselben; wir begreifen daher/ wie die Dinge mit einander übereinstimmen oder zusammen Han* gen/ und alsdann schliessen wir aus einem das andre sicher und gewiß; wir stellen uns auch also zum voraus die Folgen und Würkungen der Sachen vor/ und schauen in das'zukünflige. Ein Vernünftiger weis demnach/was wahr und falsch/ was wirk­lich gut und bös / was recht und unrecht ist/ warum es so ist/ und was ein jedes nach sich ziehet. Er unterscheidet eins genau von dem andern, und richtet sich nach einem deutlichen und gewissen Erkentmffe in seinen Entschliessungen und Handlungen. Einen solchen/ der nach jedermans Geständnisse Lob verdienet/ zu tadeln/ würde ohne Zwei­fel eben so ungereimt seyn / als das weisse für schwarz auszugcben.

Die erwähnte Eigenschaften kommen einem zu / der die Vernunft brauchet. ES zeiget sich aber ein merklicher Unterschied zwischen denjenigen/ die sich in der That vernünftig beweisen / und denen / die darzu vermögend sind. Daß die Anzahl von je­ner Gattung gar nicht groß se»/ lehret die Erfahrung. Allein was nicht viele wirk­lich thun/ das können doch gleichwohl alle Menschen ; und es bleibet eine unleugbare Wahrheit/ daß einem jeden das Vermögen angebohren ist/ die Dinge/ welche na­türlicher Weise begreiflich sind/ gründlich oder nach ihrer rechten Beschaffenheit einzu* sehen. Daher wird der Mensch ein vernünftiges Thier genennet / und ihm eine ver­nünftige Seele / als das Edelste/ was er an sich hat / zugeeignet, Dbses natürliche Vermögen hat der weiseste und gütiglte Schöpfer uns vor andern lebendigen Ge­schöpfen auf Erden in der Absicht mitgetheilet/daß wir dem Scheine und den unordent­lichen Trieben/ welche uns in Jrrthum führen und in das Verderben stürzen / nicht blindlings folgen/ und damit wir durch Erwählung des Guten und Vermeidung des Bösen uns der Glückseligkeit/ wornach wir uns von Natur so stark sehnen / theilhaf- tig machen mögen. Hätten wir eine solche Fähigkeit nicht/ so stünde es mit uns eben so und nicht besser/ als mit den unvernünftigen Thieren: Wir würden das höchste und vollkommenste Wesen aus feinen W-'rken nicht erkennm/ von der Unsterblichkeit der Seelen/ die alsdenn selbst wegsiele / keine Wissenschaft haben / und überhaupt die Wahrheiten nicht einsehen und keine ächte Tugenden ausüben können. Eine Kraft des Verstandes aber/die wir besitzen und die uns zu allem dem fähig macht/istunstreitig eine herrliche Gabe GOttes. Und wer eine solche verachten wollte/ der würde nicht Min unverantwortlich handeln / sondern auch unbedachthmer Weife zu verstehen ge­ben/ wie wenig er sich daraus mache/ daß er dadurch von Dem Vieh unterschiede» werde/ und vor Pferden/ Schöpsen u. s. w. einen ausnehmenden Vorzug habe.

Betrachtet man demnach Die Vernunft aus bepden Seiten / als eine wirk- bche Einsicht und als ein Vermögen; so wird man an ihr nichts auszusetzen finden. Daß ihr aber gleichwohl grosse Unvollkommenheiten/ die ihr zur Verachtung gereichen/ peygeleget werden/ das rühret/ wie man es wahrnehmev kann/von den unrechten Gs» psinken