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4 Giesser Wochen-Blatt/ dlum. l»

men wir uns die Freyheit, dieselbe aus ftinem y f7ten Stücke auszuschreiben: Die alte Ehrlichkeit und Treue, heiset es , diese großmüthige Redlichkeit der Natur, diese wohlanständige Gemüthsart, die allemal eine wahre Hoheit der Seelen anzeiget, und niemals ohne Muth und herzhafte Entschliessung ist/ geht in grossem Maasse unter uns verlohren. Die gesellschaftlichen Gespräche schwel- ,, len von Cei emonien und Complimenten dergestalt auf , und werden durch die Ausdrücke der Gütigkeit und der Ehrfurcht dermassen verhunzt/ daß, wenn ein Mensch / der vor ein oder zwenhundert Jahren gelebt hat/ wieder in die Welt kommen sollte> er in derThat eines Wörterbuchs benöthiget seyn würde/ um seine eigene Muttersprache zu verstehen , und das wahre innerliche Gehalt der neumodischen Ausdrucke zu merken. Ja er würde anfangs kaum glauben fön*- nen, wie geringhaltig die höchsten Gattungen der ersinnlichsten Freundfchaftsbe- zeugungen in gewöhnlichen Curse sind. Wenn er aber davon überzeuget würde, so mülle er gewiß viel Zeit haben , ehe er sich würde entfchllessen können , mit frohem Gesichte und gutem Gewissen mit unfern heutigen Weltleuten, nach dieser neumodischen umzugehen. Es ist weder dieses tiefsinnigen Mannes noch auch unsre Meinung/ daß man'alle Höflichkeit aus feinen Gesprächen und Gebärden verbannen soll/ denn dieselbe ist allerdings ein lobwürdiges Mittel/ sich bcy jeder­mann beliebt und angenehm zu machen ; noch auch daß man sich in dem Umgang mit Leuten/ die daran gewöhnet sind/ aller Ehrenworten gänzlich enthalten soll, roeii man durch solche enthusiastische abgesonderte Aufführung den Namen eines unge­zogenen M.nschen gewiß davon tragen würde : sondern man soll seine Hochach- rungs. und Freundschaftsversicherungen / Diensterbietungen u. f. w. dergestalt mäst sigen/ daß sie keine nichts bedeutende Tone oder falsche Schmeichelepen, sondern wir / im Fall wir an unfern Wösten sollten gehalten werden / willig und bereit feyn alles/ was wir gesagt , zu vollziehen. Man stehet vor sich selbst , daß die Aufrichtigkeit und Tugend dieses von uns fordern. Wer auch daraus so viel nicht macht/ der wird doch wenigstens gestehen müssn, daß alle anders eingerichtete Complnnenten lächerliche Geschwätze sind. Man erkläre doch einmal mit deutln chen und verständlichen Worten/ was das heisten soll : Es ist mir eine grosseEhret daß ich dre Er aubniß gehabt habe, meinem hochgeehrtesten Herrn gehorsamst auf­zuwarten. Ich empfehle mich zu fernerem hohem Wohlwollen und werde mich des Ticuls, als Dero gehorsamsterDiener/ jederzeit würdiger zu machen suchen. Die­ses ist zwar noch sehr leidlich: aber was soll gleichwohl die Ehre bedeuten. Wird denn der abgelegte Besuch von denen Leuten für eine so grosse That ausgenommen werden/ daß sie deswegen ein sotrefllchgutes Urtheil, worum die Ehre bestehet, von dem fällen werden, der ihn ableget ? Was ist das vor eine gehorsame Auf­wartung ; hat man etwa so vieleBeftble des Patrons ausgerichtet? Nein! man hat sich einen Ltubl von ihm stellen lass n , hat sich darauf gesetzt, hat ihm eine Laiche Wein ausgetruuken, und ihm die Ohren mit Lügen von Hochachtung u.

d. g.