v-tt verschieden unnützen Gebräuchen. j
dem Weine noch heut zu Tage ihren verstorbenen Königen und andern geehrten Personen im Grabe keine Ruhe. Man hat Ursache sich zu verwundern, daß diese Sitten nicht auch von uns nachgeahmet werken , weil sie wenigstens eben so viel Grund haben , wie die unsrigen. Dann in so gutem Ansehen diese immer stehen, so wenig ist dahinter. Wir machen einen Unterscheid zwischen dem Getränke, und lassen fast keiner andern Art, als dem Weine, die Ehre dieser Cercmonie wieder- fahren ; wir nehmen das Glas mit gröster Ehrerbietigkeit in die Hände, bucke« uns tief, sprechen dieses oder jenes Mannes Gesundheit darüber, trinken alsdann, und wenn wir gar höflich seyn wollen, so stellen wir das Glas wieder mit gekrück- tem Iiücken nieder. Der andre, den wir während dieser ftyerlichen Handlung aip sehen, danket auf eine sehr veibundene Weise, und machet sich bereit, die ihm erwiesene Ehre uns gleich wiederum anzuthun. Nun sind wir fertig vor einmal, und meinen uns nicht wenig von dem unvernünftigemVieh unterschieden zu haben, das strack nach der Quellen lauft , und ohne weiteren Um- und Eingang seinen Durst mit Wasser löschet- Diese ganze Verrichtung aber, ob sie gleich den Namen vor» der Gesundheit hat, heilet dennoch nicht das geringste, sondern schadet vielmehr, und man mag sie betrachten, so sorgfältig als man immer will , so wird man nichts finden, wozu sie dienet, als etwan um einander bey dem Trinken, das ohnehin im Sitzen zu geschehen pfleget, eine kleine vorträgliche Bewegung zu machen, unD einen zum Zeugen anzurufen , der etwa im Fall der 9'ßtl) beschwören könnte , daß man zu der Zeit nicht im Sinne gehabt, Dursts zu sterben. Eine Absicht ist wohl noch zurücke, es wäre aber besser, man hätte sie nicht. Dann wann man den gegenwärtigen und abwesenden Personen seine Hochachtung erwiesen , so bringt man, um angefangener Weise fortznfahren, andre Sprüchlein auf die Bahn , die gleichsam Gesetze sind , wordurch man verbunden wird sein Glas auszuleeren , und auf welche man ohnfthlbar deswegen vei fall en ist , weil es sich vor einen ehrbaren Mann nicht schicket, seinen Gast bey der Kehle zu kriegen und ihm den Wein mit Gewalt in den Hals zu schütten. In der That, wenn ja etwas seyn muß, so gefiele uns die Gewohnheit verschiedener fremder Völker besser, die bey solcher Gelegenheit einen darauf passenden Gesang anstimmen. Denn die Natur selbst , der man zu folgen schuldig ist , trabt den Schwanen an , sich vor seinem Tode ein Strrblied zu singen : warum sollte die menschliche Vernunft, die doch viel edler ist, nicht in gleichen Umständen ein gleiches thun , und es zu thun ein Recht haben.
Die Trinkceremonien, welche wir nicht weiter zu verfolgen gedenken, geben uns Anlaß einige der übrigen Complimenten, die man in allen Zusammenkünften, bey allen Vorftllenheiten und zu allen Zeiten einander macht und saget, ein wenig cmzusehen. Wir sind nicht im Stande, die Gedanken darüber, welche der Zuschauer von einem Brittischen Gotteögelehrten entlehnet, zu verbessern, daher neh-
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