Einzelbild herunterladen

J4i Gresser woch/tt --Blatt/ Num. XVIII.

Schnierbrüste sind gut vor die Kinder / um ihren Leib gerade zu erhalten; vor erwach­sene aber/ die nichts höckerichtes zu verbergen haben/ bienen sie nicht. Zug schwei­gen/ daß man allezeit andern Anlaß gibt auf den verdrießlichen Argwohn zu verfallen/ «ls hätte die geschnierte Person einen Leibesfehler/ den das Fischbein verheelen soll; so thut man sich ohne alle Noch wehe; Man kann sich nicht recht regen; man kann nicht genung essen/ und wenn man sich beweget/ so wird einem übel. -0 befnixt euch doch von dem unnöthigen Pantzcr/ ihr die ihr vom Frieden da seyd/ und vor Schwerd und Kugeln euch durch keinen Harnisch zu beschirmen Ussach habet.'

Man soll bei) der Kleidung auf seine Umstande acht haben/ wenn man den Namen eines vernünftigen behaupten will. Die Umstände stecken hauptsächlich im Beutel. Wir erinnern uns eines Staatskleides/ das ein gewisser vornehmer Herr an einem Hofe zum Scherz anlegte. Es war ein alter verschabter brauner Rock/ der auf den Aermeln/ Taschen / vornen herunter und auf allen Nathen mit angehcfteten Wechselbriefen/ deren sich einige auf grosse Summen beliefen/ besetzet war. Es fiel zwar von weitem nicht sonderlich ins Gesicht/ wie wohl zu vermutbeiH wenn matt es aber von nahem betrachtete/ so übertraf es alle andere sehr weit. Nach unserer Ein­sicht ist es zwar nicht unumgänglich nöthig/ daß die Wechselbriefe mit Nadeln aussen auf den Rock geheftet werden; sie geben aber den Kleiden, em trefliches Ansehen/ wen» sie im Sacke stecken / oder auch gar nur zu Hause im Schranke liegen. Wenn aber Haab und Gut im Putze stecket/ so ist etwas gewisses eckelhaftes Dabet) / das gleich­sam nach gekautem trockenem Brod riechet/ und macht/ daß man die Augen bevzeit davon abwendet. Mir sahen vor kurzem jemand von Der Art überaus steif und müh­sam Über Die Strasse schreiten / und Da wir einen neben uns stehenden Freund nach Der Ursache des gezwungenen Ganges fragten / bekamen wir zur Antwort: daß Die gute Person eine halbe Mühle/ eine ganze Wiese/ und zwei) Accker aussen aus Dem Rücken hangen habe/ und Darunter mit einem sehr Dünnen und zur bequemen Fort- dringung solcher Last gar nicht geschickten zerrissenen Hembde beDecfet/ am Leibe selbst aber wegen geringer und schlechter Nahrung gar krastloß ftve. Die Verwunderung ließ aiSbald nach/ und es war leicht begreiflich/ Daß Der heftiae Druck eines so schwe­ren Gewichts einen matten Eörper mcommoDiren müsse. Man könnte zwar allhier viele nützliche und erbauliche Gedanken anbringen/ weil wir uns aber Die gcwisse Rech­nung machen/ daß unser obengerühmtes Hütgen/ die theure Spitzen, wiD die jetzs bald anzuführends Kleidungöart die übrige unnötige Kostbarkeiten mit nächstem völlig vertreiben werden/ so wollen wir weiter gehen.

Stand und Alter sind das letzte / das bei) Beurtheilung Der Trachten muß in Betrachtung gezogen werden. Weil wir in Der Welt einander nicht gleich sind; so ist auch biBig/ Daß wir uns von aussen unterfcbeiDen. Hohen Leuten gebühren kost, bare und viele Kleiber/ wie man nach und nach geringer ist/ so soll man wenigere und schlechtere haben. Handelt man wider diese Regel / so versündiget man sich an vor- ne^mern und geringem. Jene müssen sich mit Gewalt übermäßig angreifen/ um ih. . > " ren