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ren Vorzug zu behaupten/ diese müssen sich wehe thun/ um nicht gar zu weit dahin, teil zu bleiben. Wenn man die Sache bcym Lichte besieht/ so ist sie lächerlich. Denn man wird nicht mehr / man mag sich kleiden wie man will/ und dcrkluge achtet einen auch deswegen nicht höher- Wer uns nicht kennet / der bückt sich vor dem schönen Rocke/ und sieht uns mit steifem Rücken und bedecktem Haupte ins sichte/ so bald wir unfern gewöhnlichen Mutzen anhaben. Wer ist also gegrüsset worden ? Rock. Wollen wir dann dem den Rang lassen/ unb von seinem Glan­ze unser Ansehn borgen? Wir sind der Meinung/ daß wir von dem/ der uns in ei­nem schlechten doch ganzen und sauberen Kleide, nicht achtet/ auch in keinem güldener, unb silbernen wollen geachtet seyn.

Das Alter macht / daß man an einem entschuldiget/ was man am andern ta­delt. Einer angehenden Jungfer halt man zu gut/ wenn sie sich mit allem / was ihr Unter die Hände kommt/ nach ihrer Phantasie behänget. Sie ist im Frühling ihrer Jahre/ und kann also auch diese JahrSzeit mit dick übereinander gehäuften Kränzen/ Sträussen/ Bändern/ Schlüpfen und dergleichen an ihrem Leibe vorstellen; sie darf An ein jedes Haar ein schimmernd Blümgen binden; sie kann Flügel an den Kopfma- chen/ auch/ wenn sie will/ wie der Mercurius an die Füsse; mit einem Wort/ sie kann thun was sie will/ weil ihre Jugend alles gut macht/ und die Liebe so wohl zur Freude als zum Mitleiden aufgelegtt ist. Allein der Name Frau / noch mehr der Name Mutter/ am allermeisten aber der Name würklicher oder baldiger GroSmutter »st zu ernsthaft/ als daß er sich mit solchen Spielwerken vertrage. Ist denn das Al­ter heut zu Tage nicht mehr ehrwürdig/ daß man die hervorkommende Falten des Ge­sichts mit Schminke zuschmieret und in allem andern den ausgehenden Rosen und blü­henden Lilien es zuvor thun will? Wenn der Schnee drohet bald auf unser Haupt zu fallen/ so ist eS rakhsam/ daß man beginne sich nach Winterkleidern umzusehen.

Unser Hertz ist nun bald auSgeleert/ und wenn wir noch eins davon haben/ so sind wir frei). Das bestehet darin/ daß wir vor die viele Veränderungen wünsch­ten etwas beständiges zri sehen. Die Vögel federn sich des JahrS nur einmal / wie aber fast alle Monathe. In unfern Gegenden gehet es zwar noch an / aber es ist doch zu viel. Dis Mannsleute/ haben bald dürre Kirschen/ bald Matronen/ bald gar Hüner Eyer zu Knöpfen; bald tragen sie Heine bald Pferdegschirr Schnallen auf den Schum; bald ist der ganze Kopf lauter Hut/ bald lauter Peruque u. s. w. Bald binder das Frauenzimmer die Haare in die Höhe/ bald lässet es sie herunter hängen/ bald ist Damast Mode/bald geblümter Tastend/ bald wieder etwas anders. Der tür- knche Maler hatte Recht/ da er aller Europäischen Völker Trachten malte/ und den deutschen nackend ließ/ davor aber ihm ein Stück Tuch in die Hände gab/ um jedes­mal daraus zu machen/ was ihm beliebet. Das schickt sich nicht zu unsrer Beständig­keit. Der Verfasser nimmt sich daher die Freyheit einen unmasgeblichcn Rath noch vor dem Beschluß vorzutragen. De Mannsleute mögen bleiben/ wie sie sind. Denn sie sind doch zu eigensinnig/ glö daß sie. sich einreden liessen. Sie sollen aber nichts mehr ändern/