2z0 Gresser Wochcn-Blatt/ Num. XXXI.
auf einmal erwachen und sich in der unvermutheten Gefahr des Lebens erblicken sollte. Denn inan lhut hier Gutes und Böses unter einander/ ohne auf den Unterscheid acht zu l-aben/ man häuflet Sünde mit Sünde/ ohne an eine Reue zu gedenken/ die sich etwa in Zukunft einstrllen möchte oder/ mehr nach der Wahrheit zu reden/ die sich gewis wo nicht in diesem / doch in dem andern Leben einstellen muß. Denn ein solcher Schlaf währet nicht ewig/ so sehr man auch in der Liederlichkeit versunken/ so sehr man unter dem Joche der Sinnen und der Äffecten stecket; sondern das Gewissen wachet endlich auf/ d. i. ob man gleich vor feinen Handlungen nicht an ihre Folgen gedacht; so melden sich solche doch von selbst sehr unfteundlich und stossen dermassen unsanft an uns an/ daß wir darüber zu uns selbst kommen muffen. Wer sich die Mühe nicht nehmen will/ mir sich ju Rath zu gehen/ ehe er etwas thut/ der muß sich endlich den Verdruß gefallen lasten/ daß ihn fein innerer Richter vor seine Schranken for. dcrt/ und ihm nicht nur daü begangene derb verweiset/ sodern ihn auch nut einer sehr empfindlichen Folter zwinget/ alle seine Schande zu entdecken und davor zu buffen. Alödenn hilft kein Mittel / womit man sich selbst einschläfern wollte, es hilft nichts/ daß man ferne Gedanken etwa auf das richtet/ wodurch man feinen Thaten einen blendenden Schein geben kann / und sich selbst betrüget. Und wenn es ja hilft/ so dienet es wie Opium / das Schlaf machet/ aber auch im Stande ist/ den ewigen Schlaf hervor zu bringen.
Man hat also wichtige Ursache sorgfältig auf seiner Huth zu seyn/ daß der Geist in uns nicht entschlafe. Man har Ursache allezeit auf sich selbst aufmerksam zu seyn / alle seine Handlungen mit Vewust zu unternehmen/ vorher und nachher sie zu erforschen. Mit einem Worte man hat Ursache sich mit allen Kräften nach einem jederzeit richtigen und gewissen Gewissen zu bestreben oder/ wie man zu reden pfleget/ fein Gewissen zu bewahren. _
Ver- dem Verleger sind zu haben I. F. E. Gedanken über die Rosen und Nelken/ so dermalen die Weiden getragen. 4 1750. 1 Vogen.
Man findet zwar darin noch nicht/ was man sucht; weil aber jederman auf die Sache begierig ist/ so hat man von dieser kurzen Schrift hier einen noch kürzeren Auszug zu liefern vor gut befunden. Im Anfang meldet Herr I. E. F. den Schrcckcn/den diese Vlumen bey dcm gemeinen Manne verursachet, welcher geneigt ist/ MS Ungewöhnliche vor einen bösen Propheten zu halten/und dadurch in der Meinung befestiget worden/ daß in einer gewissen Chrome crzchlet wird/ wie vor hundert Jahren eben dergleichen geschelxn/ und Pestilenz und theme Zeit darauf erfolget. Hernach unter scheidet er in den vielfältigen Arten der Weidcn das männlich« und weibliche Ge- schlecht/ darunter dieses Saamen rind Pflaum/ jenes aber Den befruchtenden Staub/ doch beydeö gemeiniglich ohne Blükhe hervor bringe. Er hält aber davor/ daß die vorha^ bende Rosen Die ordentliche Blume der Weiden sey/ die man zwar wohl in vielen Jahren nicht sähe/ in gegenwärtigem sehr frühe» Jahre aber/ bey dem vorhergehenden feuch-


