Dienstag den 4txn 2lug. 1750.
möglich, daß man das Gethane wiederum auslösche/ noch daß man seiner auf immer und ewig vergesse. G-Oltist aber unsrer Schwache zu Hülfe gekommen / und hat unö in seinem Morte offenbaret / an wen wir uns zu halten haben/ wenn uns einfällt/ waS wir unsre Tage begangen ijaben.
Diesem schmerzlichen Zustande ist ein andrer entgegen gesetzt / von dem wir rühmen dörfen/ daß er das Paradies auf Erden ist, daß Königreiche und alle indisch- Herrlichkeiten nicht wcrth sind/ mit ihm verglichen zu werden. Es ist der / da matt sagen kann: Mein Gewissen beißt mich 'nicht memeS ganzen Lebens halber/ oder deutlicher zu reden / da das nachfolgende Gewissen mit dem vorhergehenden einstimmig ist. Dieser Glückseligkeit wird man theilhaftig/ wenn man der in vorstehendem Absätze vorgeschriebenen Regel zri folgen sich äusserst angelegen seyn lasset/ wenn man so lange sich nick t entschliesset ein Vorhaben auszuführen / bis man gänzlich und unbeweglich von dessen Güte versichert ist. Die grosse hierzu erforderte Sorgfalt wird mit emer reichen Belohnung ersetzet/ da/ um von der Vermeidung der vorbeschriebenen Plagen nichts zu gedenken/ das gröste Vergnügen und eine innerliche Zufriedenheit mit sich selbst/ em ewiger und unveränderlicher Ruhm und/ was daS meiste isi / eine fröhliche Erwartung der zukünftigen Ewigkeit damit verknüpft i|L So gar mächtig ist das gute Gewissen/ daß es/ wofern auch gefehlet worden, wetm wir nur nicht aus Muthwlllen sondern aus Mangel genügsamer Einsicht geirret/ wenn wir bei? unmöglicher Gewisheit auf diejenige Seite uns gelenket/ die die gi öste Wahrscheinlichkeit vor sich hatte/ uns entschuldiget und mit unserem Fleche zufrieden ist. In allen solchen Umstanden schenket es uns die angenehme Gewissensruhe/ die/ west sie weis/ daß man alle Mühe angewendet hat/ um sich vor der Sünde ru hüten/ keine Reue und keinen Verdruß wegen dem vergangenen befürchtet. Ist der Mensch / vor sich allein betrachtet und ohne die Gnade des Geistes GOltes/ nicht im Stande/ eine Sache auszuführen/ von der so herrliche Früchte zu erwarten stehen; so müssen eben dieselbe ihn desto eifriger machen/ um dieselbe zu bitten / und er ist wenigstens verbunden/ alles das zu thun/ was auf seiner Seite möglich ist.
Dieser angenehmen Ruhe kommt ein andrer höchstgefährlicher Zustand dem Ansehen na 2 nahe. Mir verstehen den Stand des schlafenden Gewissens- Eine vielfältige Wiederholung der Handlungen nämlich bringet uns endlich eine Gewohnheit zu wegen / in der man nicht mehr die an und abrathende Bewegungs- gründe überleget/ sondern aus einmal erlangter Fertigkeit daö ohne weitern Bedacht tbuf/ was man schon mehr gelhan bat- In diesem Falle äussert sich also keine Würkung des Gewissens weder vor der Tbat/ noch nach derselben; sondern es isi einem schlaferrden gleich / der nichts von sich selbst weis/ und der nichts von dem em# pfindtt / ma^ a'/fler ihm vorgehet. Weil man also keine Klagen und Bissen des Gewisses fühlet/ so überredet man sich/ man lebe in einer stolzen Ruhe und in gutem Frieden mit sich selbst. Allein man ist wir ein Nachtgänger/ der auf der @pi# tz« des Dächer sitzt und schläft/ und vor Schrecken des Todes seyn würde/ trenn er
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