x44 Gresser Wochen- Blatt/ Num. XXXI.
Einsicht erhalten in die Ursache/ warum dieses flirt und jenes böse ist. Denn durch das erste/ wird man so wohl von keinen Scheingründen verführet/ als auch fest im Urtheile gemacht/ daß man alle solche Einwürfe/ als der Wahrheit widersprechend/ verwirft und nicht achtet; durch das andre aber vermag man den Einwurf selbst aus dem Grunde aufzulösen / und ihm alle Kraft zu benehmen-
Es ist also ein sehr sichtbarer Unterscheid zwischen dem Scrupel und der Anklage des Gewissens. Denn jener setzt zum voraus/ daß die Handlung selbst gut ist/und bestehet nur in einem scheinbaren Einwurfe wider die Wahrheit. Diese aber erfordert/ daß wir nach der bösen That anders von ihr urtheilen/ als vorher geschähe/ da sie noch bevor stunde. Wir haben also wirklich gesündiget/ und unser vorhergehendes Gewissen war irrig; nunmehro urtheilen wir richtig und erkennen/ daß wir unrecht gethan. Der Unterscheid ist also eben wie zwischen einem gründlichen Beweis und einem ungegründeten Zweifel/ und hat in Ausübung der Sitten diese Folg«/ daß dieser cmfgelöstt und widerleget/jener aber nimmermehr umgeftossen werden kann, und das heißt mehr/ als man sich anfänglich einbilden möchte. Denn da wir bey . der Anklage des Gewissens gestehen müssen/ daß wir böses gethan haben / so muß uns «ine Unlust quälen / die sehr empfindlich ist; wir müssen auf unsre Rathgeber/ aus uns selbst/ auf unsre Nachläßigkeit oder Boßheit zornig werden/ und zwar um desto mehr/ weil wirschen/ daß wir es nicht wiederum ändern noch unsre That zurücke ziehen können. Diese Quaal/ die daraus entstehet/ daß uns unser eigner innerlicher Richter verdammt, führet den Namen der Gewissensbisse / und ist die wahrhafte -Hölle auf Erden/ die alle Freude und alle Munterkeit von uns hinweg jaget/ wie der Wind den Staub hinweg blaset- Sie sind nicht nur an sich selbst ein beständiger höchst verdrießlicher Gefährde/ der nicht von der Seite weichen will/ sondern führen auch noch eine sehr beschwer.'iche Gesellschaft mit sich/ die in Furcht bestehet/ wegen der bösen Folgen/ die da kommen mästen/ wegen den göttlichen Strafen / die nicht ausbleibeti können; in Schrecken über ein jedes rauschendes Blatt/ bei) dessen erstem Gehör wir unö vorstellen/ in die Hände der Rache gefallen zu seyn; ja/ nachdem es ist/ in Derzweifelung/ di;/ weil sie glaubet/ daß ihre Sünden grösser sind/ als daß sie ihr Fönten vergeben werden/ weil sie sich vor würdig hält/ von allem und jedem/ daß sie antrift/ verfolget zu werden/ manchmal Hand an sich selbst leget/und das leben aut'eine abscheuliche Art endiget. Wider dieses entsetzliche Unglück weis die Natur nur ein einziges Mittel/ und zwar nur ein unzulängliches Präservativ/ nämlich : Thuc nichts böses/ so wiederfährt dir nichts böses ; Nehme dich vor der That in Obacht 7 handle nicht in den Tag hinein / sondern befleis- sige dich eines richliqen und. gewissen Gewissens ehe du etwas vornimmst. Allein wo ist der Mensch der nie sündiget/ und wo sind die Kräfte/ die die Natur zur Ausführung einer so schweren Absicht darbiethel? Wir müssen gestehen/ daß mit dieser Regel uns sehr wenig gedienet ist / besonders da nach tustlbi achter That An Pst Heilung der ängstlichen Bisse gar nicht zu denken ist/ indem weder mög-


