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Dienstag den4ten Aug. l7so. 24,

ses irrig war/ und man den Irrchum mit der Zeit erkennet; wenn man z. E- endlich entdecket/ daß man durch übelßüßigeS Trinken seine Gesundheit vcrlohren hat/ so i|t man andren Sinnes von dem Besuch der Sausgesel!schäften/ als man damals war/ da man vor gut hielt/ fi(b darin emzufinden-

Wie viel das Urcheil der Menschen/ das von ihrer Vernunft neftillet wer­den sollte/ von den Leidenschaften und Gemüthöbewegungen abhangen/ l.hret die tägliche Erfahrung. S>e haben aber auch nicht mindern Einfiuß in das bcsondre Urtheil über unsre eigne Handlungen und obwohl sie dasselbe nicht jederzeit und notb- wendig auf die unrechte Seite lenken / so haben sie doch eine gewisse Macht unsre Einsicht und Ueberlegung zu binden/ daß wir / wenn wir auch nicht wirklich fehlen/ dennoch einen sülchen Weggehen/ der der Gefahr sich zu verirren sehr unterworfen ifl. Weil wir aljo alsdenn als Sclavcn unsrer Affecten handeln/ so schreibet man uns ein sclavisches Gewissen zu / welches E- sich bev einem gerecht - oder ungerech­ter Wesse zornigen äussrrc / dem der Grimm viele Bewegungs-Grunde/ so oder so zu urtheilen/beybii! get/ die er sonst nicht haben wurde- Ihm stehet das freve Ge­wissen entgegen/ das ein nüchternes und durch keinen Affect verworrenes Gemüth erfordert. Lassen wir uns durch die Leidenschaften versühren/ wider besser Wiss'n das 9?>6fe im Eifer zu khun/ nnb das Gute zu lassen/ d. i. sind wir gewohnt wider un­ser Gewissen zu handeln/ weil uns die Affecten dazu antreiben/ so heisset man uns Gewissenlose- Achtet man aber auf keine Gemüthsbewegungen/ sondern unterdrü­cket sie/ und bemühet sich eifriq den wahren Grund zu erforschen/ und hat den festen Vorsatz nichts zu khun/ man sey denn überzeugt/ dass es gut ist/ die Leidenschaften mögen dazu sagen/ waö sie wollen/ so ist man Gewissenhaft.

Wenn wir von einer vollbrachten oder noch zu vollbringenden Handlung mit einem richtigen Gewissen urtheileii/ so pfleget sich manchmal ein Zweifelsgrund einzu- finden / dessenthalben wir furchten / waS wir für gut ansehen / oder angesehen haben / möchte bös seyn / z- E- wenn man sich gegen den Anfall eines gewalkthätigen Fein­des so viel gewehret/ alö daS Gesetzter Natur erlaubet/ und also recht gethan/ so fällereinem wohl der Spruch em: So dich einer auf den einen Backen schlaget/ so biethe ihm den andern auch dar; und man verfallt deshalben auf die Sorge/ daß man Uebel gethan haben möchte. Dergleichen Zweifelsgrund ivird ein Gewissnsscru- pel genannt/ und hat bey zärklicheii Gemüthern die Würrung/ daß er/ wenn er vor­der Vollbringung der That einfällt/ dieselbe entweder gar nicht vollziehen lasser/ odrr dieselbe wenigstens eine Zeit lang/ bis er nämlich aufgssöser hi / zurücke hall; wenn er aber nach der That einfällt/ eine so lange daurende Umuhe verursachet/ bis er ge­hoben ist. Er ist demnach der Ausübung des Guten hinderlich und man thut wobl/ trenn man sich um ein Mittel umstehet/ wodurch man sich in den Stand fetzet/ daß man von ihm nicht beunruhiget werden kann. .Das beliebet aber einzig und allein in folgendem. Man muß sich aus der Vernunft und Schuft eine richtige und ringe- zweifelte Erkenntlich erwerben von dem/ was gut und böse ist/ und zugleich eine tiefe

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