Dienstag den ;ten Ndvcinbr. 1750.- ,4,
hohm Trieben her. Dieser einthümlichen Vollkommenheiten allem ist er sich auf fein« Seite bestens n) bewusi; ans deren steten Anschauen empfindet er nicht nur immer die gröstes4) Lust; sondern schöpft auch daraus beständig die vortheilhaftesten Gedanken von seiner Würdigkeit/ und daher entstehet in ihm eine ganz ungemeine <<) Selbstgefälligkeit und di« äusserste ;6) Zuversicht auf sich ft,bst/ welche in allen seinen äusserlichen Handlungen sehr merklich hervorleuchten. Dergleichen hat man in solchem Maaße an keinem 57) ordentlichen römischen Diktator jemals wahr genommen. Einer __________ von
Kind wegen seiner äusserlichen und innerlichen Vorti eflichkeiten zu loben und m bewundern pfleget/ wenn sie nicht leiden kann/ dasi rhm von andern in irgend einem Stücke widersprochen werde/ wenn sie oder der Herr Vater ihn mit den schönsten Weyspielen eines recht dictatorischen Bezeigens löblichst vorgehen 11. s. tu. Locke de p Education des Enfssns z. j8. &c 10G. Was auf solche Art der Geist des jungen Herren fasset/ setzet sich bcv ihm mit der Zeit so feste/ daß es zur andern Natur wird / e/uam fi expellas fttrca, tarnen utcjxe recurret. Horat. Ep. /. IO. 24.
5;) Gleichwie das Dascyn des Menschen durch das Vewustsepn sein selbst unwider- sprechlich bewieftn wird (Gottscheds erste Gründe derWelrwcisbeit i Thl §. 871/u ioro.);also wird durch di« Erkenntniß seiner hohen Vollkommenheiten sein ausnehmender Vorzug unumstößlich dargethan. Dessen versichert sich ein eigenmächtiger Dictator desio zuverläßiger/ je weniger er sich seiner Unvollkoinmenheiten bewustist.
54) Daß die Lust von der Empfindung der Vollkommenheit den Ursprung nehme/ hat schon Des Cartes in einem Briefe an die pfälzische Princeßin Elisabeth gezciget. Eptfi, Cartefit,
55) Diese ist der Grund zu einer eben solchen Liebe gegen sich selbst/ welche sich in allen Stucken zu erkennen giebt/ und darin er seines gleich nicht hat. Quam fe ipfe amans fine rtvali! Ctc. Epiß, ad Fratr. 3. g.
56) Das Vertrauen auf sich selbst und auf sein gegenwärtiges/ vergangenes und zukünftiges Betragen/ erfordert Cicero von einem grossen und über alles erhabenen Geiste. De Em. 3. 25. Da nun dieser mit jenem in einem eigenmächtigen Dicra- lor vereiniget anzutreffen ist; so kann man sich nichts grösseres vorstellen/ als ihn.
57? Deir 5?. Manlius/ Sulla und Cäsar/ welche etwas ausserordentliches an sich hatten/ will ich ausnehmen. In ihren Diktaturen verdienten sie den Namen der ei- genmächngen D-ctakorn ziemiichermassen. So weit brachten sie es durch die ih- nen bevwohneiide hohen Triebe/ und durch die Betrachtung ihrer Grösse. Der übrigen ihre Mäßigung hierinnen war so sonderbar/ daß andere von ihrer Würdigkeit höhere Begriffe hatten/ als sie selbst. Die Aufführung des T. Lartius bev Ueberneh- mung der ersten Dicratorwürde zeiget/ wie niedrige Gedanken er von sich selbstgc, habt. Wie wenig dachte nicht L. QuintiuS Cincinnatus an seine Vollkommenheit/ d« er sein Feld damals mit eigner hohen Hand pflügte/ als man ihn hohlre/ umDi- £? $ claro»'


