Dienstag Hess jten Mart. i7fo. <7
menste und heiligste Eigenschaften zuleget/ und die aüergröste Ehrerbiechigkeitgegen ihn/ und der Dienst/ den er selbst sowohl durch die Vernunft als durch fein theures Wort vorschreibet/ machen demnach die wahre Religion aus/ von welcher jetzo die Rede ist. folglich ist der Religion an denen Sätzen gelegen/ welch« einen Einfluß haben in den achten Begriff GOttes und welche so beschaffen sind/ daß derjenige / der sie läugnet/ entweder GOtt selbst / oder dessen Vollkommenheiten/ oder die Wahrheit der Schi ist, oder die Nothwend-gkeit des ihm schuldigen Diensts oder sonst etwas dergleichen laug» nen tuu6. Was so nicht geartet ist / an dem ist der Religion nichts gelegen und hierher gehöret unsres Bedünkens der Glaube an die Gespenster.
Wir wollen eS diejenige vor dem Richteistuhle GOttes verantworten lassen, ohne uns bey ihnen aufjuhalten/ welche die Gespenster zu eurem dem Scheine nach bei* tigrn Betrug gebrauchen um leichtgläubige und übel unterrichtete Serien in solche« Meinungen ju erhalten und zu bestärken / die der Kirche/ d. i. in diesem Verstands denen/ die vom Altar leben/ eme grosse Menge Geldes eintragen. Denn es gibt keine« einzigen wahren und falschen Satz in der Welt / welchen man nicht mit einer durch menschliche Erfindungen vermehrten Religion verknüpfen küunte; und wer wollte alft zweifeln / daß einer solchen auch an den Gespensterhistorien vieles gelegen?
Nachdem verschiedene Leute verschiedene Gedanken von dem Wesen und der Bsschaffenheit der Gespenster hegen/ die auf verschiedene mit der Religion zusammenhängende Gründe gebauet sind; so hält auch der eine den Glauben jener vor verknüpft mit dieser aus andern Ursachen/ als ein andrer Einige nähmlich bilden sich ein/ die Gespenster feyn die unsterbliche Seelen verstorbener Menschen / die in einem angenom- menen Leibe auf dem Erdboden sich zeigten. Weit also ihre Meinung eine Verknüpfung hat mir der Unsterblichkeit der Seelen / welci-e man ohne alle Religion über den Haussen zu werfen nicht läugnen darf; so behaupten sie / es sey in Betrachtung dieser allerdings nicht gleichviel / ob man Gespenster glaube/ oder nicht. In die Beurthei* tung der Auslegung selbst lassen wir uns jetzo nicht ein/ sondern bemerken nur/ daß dieser Schluß gar nicht folge. So viel ist äusser allem Streit; wenn eS Gespenster giebt/ und wenn diese die Seelen toder Menschen sind ; so sind diese Seelen nach dem Tode wenigstens zu der Zeit/ da die Erscheinung geschiehet/ annoch vorhanden und denken noch/ und l-aben noch allerhand Begierden. Allein erstlich ist noch nicht erwiesen / daß es die Seelen sind / die unter der Gestalt der Gespenster zum Vorschein kommen/ und zwevtensläugnetder/derdicsevor E<nbiidungen auögiebt/ nur den angeführten Beweis der Unsterblichkeit/ nicht aber sie selbst / als welche er andrer Gründen halber allerdings zugeben kann und muß. Wenn ich vorgebe / das Wasser lauste den Ber bin# auf um daraus zu beweisen / daß der Erdboden nicht gerade/ sondern an einige । Orten tief und an andern erhaben ist; so kann man mir meinen alberen Grund gar trohl verwerfen/ ohne daß ich sagen darf/ der andre hielte die Erde vor eine abgedrechselte Kugel» denn er bat ganz andre und viel wichtigere Ursachen / warum er eben das vor wahr hält/ was ich ungeschickt erkläre. Und so stehet es aud> in unsrem Falle r wen» man keine
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