Ausgabe 
3.2.1750
 
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34 Giesser Wochenblatt/ Num* v.

auf nichts als auf E gennutz/ Verwandtschaft und die Vorworte anderer zu sehen. Ihr Rlchkereö i|l euch uiaubiv auf germhewohl em Urkheil zu fällen/ oder euren Ausspruch auf etwas ganz anders als auf Recht und Billigkeit zu gründen. Lhr Soldaten, es ist euch erlaubt eure 2)un|te und euer Leben den meistbietenden zu verkaufen/ oh» ne im geringsten daran zu denken / daß ihr die rechtmäßige Sache des kriegführenden Theiles unter suchen wollt. Ihr Kaufleute/ es ist euch erlaubt/ eure Maaren listig zu verfälschen, von ihnen was ganz ander svorzugeben/ als sie in der Thal sind / und euch die Einfalt und Unwissenheit der Käufer zu Nutze zu machen. Ihr Gastwirthe und ihr Henn der Spielhäuser und anderer verdächtigen Omer / es ist euch erlaubt/ den jungen reuten Gelegenheit und Mittel an Hand zu geben / lüderlich zu werden. Ihr Künstler und Handweiksleute / ist euch erlaubt / vielen zu versprechen / was ihr nie­mand halten wollt / schlimme Arbeit vor gut auszugeberr / und diese schlecht zu ma­chen. Ihr Manner, es ist euch erlaubt / mit euren Weibern recht unvernünftig und als kleine Tyrannen umzugehen. Ihr Weiber es ist euch erlaubt mit der Gefälligkeit eurer Manner ee aufß äusserste zu treiben. Ihr Herrn/ ist euch erlaubt/eurem Ge­sinde ohne U. fache übel zu begegnen, ihm schlechte Kost zu geben / und es übel zu be­zahlen. Ihr Knechte und Magde / ist euch erlaubt/ auf den Nutzen eurer Herr» schäft gar nicht zu sehen/ und sie nur zu bedienen/ trenn sie die Augen auf euch hat. Ihr Väter, es ist euch erlaubt, euren Kindern schlimme Anweisungen zu geben, und mit noch schlimmem Beyspielen vorzugehen , und höchstens darauf bedacht zu ftyn, Geld für sie zusammen zu scharren , ohne euch zu bemühen , sie wahrhaftig tugendhaft und dabey zu den Aemtern , wozu ihr sie bestimmet, geschickt zu machen. Ihr K nder, es i|l euch erlaubt, euch gegen einen treuen und sorgfältigen Vater, der mehre ver-aumer und ersparet, um dahin zu bringen, daß ihr würdige Glie­der Der me sch : heu und bürgerlichen Gesellschaft siyn möget,'nichtwillfährig zu bet zeigen 3braute von aller ley Alter, Stand und Geschlecht, es ist euch erlaubt, tausend andere d.rglechen Sachen zu thun; aber in eben dem Verstände, welchen eine Verordnung der Lacedämonischen Obrigkeit wegen des Muthwillens , den ei­nige fnmbe iu ne Leute in ihrem Lande begangen hatten , in sich begriffe, närn- sich : p) Es ist den Clazomcmcrn erlaubt / ohne Gchaam zu fcw.

Emer mag urte ilen, ob er sich noch eines so schändlichen Vorrechts be­dienen will. Ich überlasse den Gesetzgebern zu untersuchen, ob sie nicht die Zu­lassung ihrer Gesetze ohne widrig- Folgen enger einschränken , oder zum wenigsten andere dienliche Mittel anwenden i«tonten, um mehrere Bürger dadurch zu bewe­gen, daß sie sich des Rechtes, welches die meiste durch diese übelverstandene Zu­lassung zu erhalten sich einbilden, freywillig begeben. Ich will auch hier die Reli­gion nicht zum Beysiande nehmen. Ich will euch folgende Ermahnung eines Apostels nivvt vor Auge? stellen: -) Was wahrhaftig ist/ was ehrbar/was Le-

f) Zcb«n. Vat\ Hiß. L. 2. C. //.

- ) Philipp. 4.1.