34 Giesser Wochenblatt/ Num* v.
auf nichts als auf E gennutz/ Verwandtschaft und die Vorworte anderer zu sehen. Ihr Rlchkereö i|l euch uiaubiv auf germhewohl em Urkheil zu fällen/ oder euren Ausspruch auf etwas ganz anders als auf Recht und Billigkeit zu gründen. Lhr Soldaten, es ist euch erlaubt eure 2)un|te und euer Leben den meistbietenden zu verkaufen/ oh» ne im geringsten daran zu denken / daß ihr die rechtmäßige Sache des kriegführenden Theiles unter suchen wollt. Ihr Kaufleute/ es ist euch erlaubt/ eure Maaren listig zu verfälschen, von ihnen was ganz ander svorzugeben/ als sie in der Thal sind / und euch die Einfalt und Unwissenheit der Käufer zu Nutze zu machen. Ihr Gastwirthe und ihr Henn der Spielhäuser und anderer verdächtigen Omer / es ist euch erlaubt/ den jungen reuten Gelegenheit und Mittel an Hand zu geben / lüderlich zu werden. Ihr Künstler und Handweiksleute / eß ist euch erlaubt / vielen zu versprechen / was ihr niemand halten wollt / schlimme Arbeit vor gut auszugeberr / und diese schlecht zu machen. Ihr Manner, es ist euch erlaubt / mit euren Weibern recht unvernünftig und als kleine Tyrannen umzugehen. Ihr Weiber es ist euch erlaubt mit der Gefälligkeit eurer Manner ee aufß äusserste zu treiben. Ihr Herrn/ eß ist euch erlaubt/eurem Gesinde ohne U. fache übel zu begegnen, ihm schlechte Kost zu geben / und es übel zu bezahlen. Ihr Knechte und Magde / eß ist euch erlaubt/ auf den Nutzen eurer Herr» schäft gar nicht zu sehen/ und sie nur zu bedienen/ trenn sie die Augen auf euch hat. Ihr Väter, es ist euch erlaubt, euren Kindern schlimme Anweisungen zu geben, und mit noch schlimmem Beyspielen vorzugehen , und höchstens darauf bedacht zu ftyn, Geld für sie zusammen zu scharren , ohne euch zu bemühen , sie wahrhaftig tugendhaft und dabey zu den Aemtern , wozu ihr sie bestimmet, geschickt zu machen. Ihr K nder, es i|l euch erlaubt, euch gegen einen treuen und sorgfältigen Vater, der mehre ver-aumer und ersparet, um eß dahin zu bringen, daß ihr würdige Glieder Der me sch : heu und bürgerlichen Gesellschaft siyn möget,'nichtwillfährig zu bet zeigen 3braute von aller ley Alter, Stand und Geschlecht, es ist euch erlaubt, tausend andere d.rglechen Sachen zu thun; aber in eben dem Verstände, welchen eine Verordnung der Lacedämonischen Obrigkeit wegen des Muthwillens , den einige fnmbe iu ne Leute in ihrem Lande begangen hatten , in sich begriffe, närn- sich : p) Es ist den Clazomcmcrn erlaubt / ohne Gchaam zu fcw.
Emer mag urte ilen, ob er sich noch eines so schändlichen Vorrechts bedienen will. Ich überlasse eß den Gesetzgebern zu untersuchen, ob sie nicht die Zulassung ihrer Gesetze ohne widrig- Folgen enger einschränken , oder zum wenigsten andere dienliche Mittel anwenden i«tonten, um mehrere Bürger dadurch zu bewegen, daß sie sich des Rechtes, welches die meiste durch diese übelverstandene Zulassung zu erhalten sich einbilden, freywillig begeben. Ich will auch hier die Religion nicht zum Beysiande nehmen. Ich will euch folgende Ermahnung eines Apostels nivvt vor Auge? stellen: -) Was wahrhaftig ist/ was ehrbar/was Le-
f) Zcb«n. Vat\ Hiß. L. 2. C. //.
- ) Philipp. 4.1.


